Ein Schmuckstück: Die alte Kapelle mit Altar und Kanzel wird zum Veranstaltungsort.
Die historischen Merkmale des Gebäudes sind bei der Sanierung erhalten geblieben.
Das St.-Martin-Spital in Obergiesing war als Armen- und Altenversorgungshaus geplant.
Winfried Eckardt, langjähriger Leiter des VHS-Stadtbereichs Ost, zeigt die neue VHS-Lehrküche in der ehemaligen Bäckerei im Keller des Gebäudes. © Oliver Bodmer (4)
Vor 130 Jahren war das St.-Martin-Spital in Obergiesing Münchens zweitgrößtes Armen- und Altenversorgungshaus. Nach umfangreicher Sanierung zieht jetzt die Münchner Volkshochschule (MVHS) in das historische Gebäude an der Ecke Severin-/Werinherstraße.
1898 beschloss der Magistrat der Stadt, ein weiteres Armenversorgungshaus zu bauen. Beauftragt wurde der Architekt Carl Hocheder, der auch das Müller’sche Volksbad entworfen hat. Weil Grundstücke schon damals teuer waren, entstand es auf der grünen Wiese, dem heutigen Obergiesing. Zeitweise waren hier bis zu 700, zu Kriegszeiten sogar 1000 Menschen untergebracht. Winfried Eckardt, der langjährige Leiter des VHS-Stadtbereichs Ost, ist Kenner der Geschichte des Hauses und begeistert vom Ergebnis der dreieinhalbjährigen Generalsanierung. Die VHS beziehe hier nun „ganz fantastische Räume“. Aus dem ehemaligen evangelischen Betraum im Erker wurde ein lichtdurchflutetes Mal-Atelier, die alte Bäckerei im Keller ist die neue VHS-Lehrküche. In der früheren Anstaltsküche – hier wurde damals auch geschlachtet, es gab sogar ein eigenes Becken für Frischfisch – befinden sich jetzt Bewegungsräume. Dazu gibt es zahlreiche Seminar- und Multifunktionsräume.
Ein besonderes Schmuckstück ist die alte Kapelle, „eigentlich eine veritable Kirche“, mit Platz für rund 250 Menschen. Hier sollen Veranstaltungen stattfinden, nicht nur von der VHS, auch von anderen Organisationen und Einrichtungen. Der prunkvolle Altar und die Kanzel, die prächtigen Buntglasfenster und die einzige noch vollständig erhaltene Orgel des Münchner Orgelbauers Franz Borgias Maerz sind geblieben. Original auch das Parkett, bei dem jedes Stäbchen ausgebaut, beschriftet und nach der Renovierung haargenau wieder eingesetzt wurde, wie Florian Ludwig vom Baureferat erzählt. „Wir sind bei einigen Sachen näher ans historische Original gegangen, alles in enger Absprache mit dem Denkmalschutz.“ So wurde die Neobarock-Fassade wieder hellgrau, Fenster und Türrahmen bekamen ihren ochsenblutroten Anstrich zurück.
Eine echte Herausforderung waren die energetische Sanierung sowie die moderne Verkabelung in Kombination mit dem Brandschutz, verrät Ludwig. Mit etlichen Gegenständen, die man während der Restauration gefunden hat, wie diversen Heiligenstatuen, will die Stadt noch ein kleines hauseigenes Museum im Dachgeschoss einrichten.
Rund 112 Millionen Euro hat die Generalinstandsetzung gekostet. Etwa 2,5 Millionen gibt es wohl als Förderung vom Denkmalschutz. Neben der VHS befinden sich auch das Stadtjugendamt, ein Kita-Zentrum, städtische Büros und einige Wohnungen im Gebäude.CARMEN ICK-DIETL
Das Eröffnungswochenende
Vom 11. bis 13. September feiern Stadt und VHS die Wiedereröffnung des St.-Martin-Spitals. Am Freitag findet ab 16 Uhr die offizielle Eröffnung statt, ab 19 Uhr starten Ausstellungen zur Geschichte des Hauses und eine Fotodokumentation zur Sanierung. Am Samstag gibt es zum Stadtteilfest um 14 Uhr eine Führung, am Sonntag zum Tag des Offenen Denkmals um 11 und 14 Uhr Führungen zu den Ausstellungen, um 12 Uhr einen Vortrag zu Architekt Carl Hocheder von Winfried Eckardt und um 13 Uhr eine Führung durchs Haus.