Werben für Olympische Spiele in München: (v.li.) Dominik Krause, Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann. © dpa
Erst vor wenigen Tagen hat Dominik Krause eine ungewöhnliche Einladung bekommen. Bei einem Rundgang über die Wiesn fragte jemand den grünen OB, ob er nicht einmal mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Runde im Olympia-Looping drehen wolle. Während Krause davon erzählt, sitzt Söder neben ihm. Krause schaut zu ihm: „Vielleicht überlegen wir uns den Part im Anschluss noch.“ Söder kontert: „Schau ma erst mal, ob das Anzapfen gut läuft – und alles Weitere planen wir dann.“ Krause lacht.
Diesen Dialog gab‘s gestern bei einer Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung der Staatskanzlei. Krause war als Gast eingeladen – als „der erste Grüne“, wie ihm gesagt wurde. Es ging um ein Thema, das die Stadt und den Freistaat gleichermaßen bewegt: die Münchner Olympia-Bewerbung. Krause und Söder haben das Thema zur Chefsache gemacht. In wohl kaum einem anderen Feld müssen die beiden derzeit enger zusammenarbeiten – und sitzen damit gewissermaßen schon jetzt gemeinsam in einem Olympia-Boot.
Nach Krauses Wahlerfolg im März war allerdings nicht klar, wie das Verhältnis der beiden aussehen würde. Söder hatte in den Jahren zuvor kaum eine Gelegenheit ausgelassen, gegen die Grünen auszuteilen. Nach Krauses Sieg in der Stichwahl bot er ihm eine „faire“ Zusammenarbeit an, schickte aber in Richtung des jungen OB süffisant hinterher: „Meistens ist es so, dass die Ämter ja auch Reifeprozesse bringen.“
Alles vergessen? Bei der Pressekonferenz wirkt das Verhältnis der beiden zumindest harmonisch. Immer wieder schauen sie sich an, finden lobende Worte füreinander. Seit Krause im Amt sei, habe das Thema Olympia „neuen Schwung“ erfahren, sagt Söder. Später lobt er Krauses „offenes Zugehen“ und seinen Einsatz für den Sport. Und auch wenn die beiden nicht immer einer Meinung seien: Es sei wichtig, „wenn sich Ministerpräsident und Oberbürgermeister gut und vernünftig unterhalten können“. Krause erinnert an eine gemeinsames Kicker-Partie der beiden vor einigen Monaten – das habe gezeigt: „Wenn man was gemeinsam macht, funktioniert es im Zweifelsfall besser.“
Gute Zusammenarbeit ist auch für die Olympia-Bewerbung entscheidend: München muss sich im nationalen Wettbewerb gegen die Konkurrenz aus Rhein-Ruhr und Berlin durchsetzen. Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), welcher deutsche Bewerber letztlich ins internationale Rennen um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gehen darf. Um den Stand der Bewerbung ging es gestern auch bei der Kabinettssitzung.
Sowohl für die Stadt als auch für den Freistaat steht viel auf dem Spiel. „Bayern ist ein Sportland“, sagt Söder. Mit der Olympia-Bewerbung soll das noch einmal dokumentiert werden. In diesem Zuge kündigte er an, dass es künftig mehr Sportunterricht an bayerischen Schulen geben soll. Ab dem Schuljahr 2027/28 solle eine dritte Sportstunde ab der ersten Klasse eingeführt werden, so Söder. Olympia sei für den Sport eine weitere riesige Chance: „Wir glauben, dass wir ein hervorragendes Sommermärchen bieten können“, sagt Söder.
Krause erhofft sich auch einen „Infrastruktur-Booster“ für seine Stadt – sowohl bei der schnelleren Umsetzung großer Projekte als auch bei deren Finanzierung. Denn große Projekte seiner Koalition, etwa der weitere U-Bahn-Ausbau, hängen an Fördermitteln von Bund und Land. Olympia könnte da helfen. Bei der Frage, was der Freistaat leisten könne, bleibt Söder vage. Auch der Bund müsse sich beteiligen: „Deswegen glaube ich, wir kriegen das hin.“JULIAN LIMMER