Noch elf Tage und die Wiesn ist in unserer Stadt so präsent, als ob sie schon in vollem Gange wär. Sämtliche Medien zeigen uns, was wir in diesem Jahr anziehen sollten, also vielmehr müssen, um „in“ zu sein, wenn wir im Zelt „drin“ sind. Welche Frisuren unsere Häupter zu zieren haben und welche Accessoires unbedingt an den Mann und natürlich erst recht an die Frau gebracht werden müssen.
Eigentlich ist es jedes Jahr das gleiche Spiel und ich sage jetzt einfach ganz frech, dass es sowieso niemandem auffällt, wenn man das gleiche Gwand wie im Vorjahr trägt. Es sei denn, man ist dermaßen prominent, dass man sowohl in den Printmedien als auch im Fernsehen ständig präsent ist. Dann geht das natürlich überhaupt nicht. Da wird man doch auch ausgestattet – oder? Irgendein namhafter Dirndl-Designer meldet sich sicher und lädt zur Anprobe.
Wenn man aber nicht ganz so privilegiert ist, dann „popen gerade Trachtenstores wie Pilze aus dem Boden up“. Gerade war da noch eine sehr besuchenswerte Eisdiele, wo ich mir eine Belohnung in Form einer Kugel Erdbeere holen wollte, und schon hängt da ein Dirndl in der Farbe „wild berry“ im Schaufenster. Da kann ich leider nicht runterbeißen. Dieser Laden bleibt bis zum Ende der Wiesn, um dann wahrscheinlich in eine „Christmas-Shopping-World“ umgewandelt zu werden. Ich denke, dass ich keine Pop-up-Frau bin. Dafür bin ich irgendwie zu langsam. Bis ich feststelle „Aha, da hat ja jetzt der und der Laden ‚upgepopt‘, da schau ich mal rein“ – da ist dieser schon wieder geschlossen und der Nachfolger eingezogen.
Natürlich hat mich die Herkunft der Bezeichnung interessiert und ich weiß jetzt, dass ein Pop-up-Store (to pop up – plötzlich auftauchen) ein kurzfristiges und provisorisches Einzelhandelsgeschäft ist, welches vorübergehend in leer stehenden Geschäftsräumen betrieben wird.
So auch am Marienplatz in der Tourismus-Information. Dort kann man jetzt wieder hochwertige Wiesn-Souvenirs kaufen. Der Store „Oktoberfest City Shop“ hat Ende August eröffnet und das nun schon zum dritten Mal. Bis 11. Oktober, also eine Woche länger als die Wiesn dauert, kann man dort alle Artikel erwerben, die mit dem offiziellen Fest-Logo bestückt sind. Wunderschöne Krüge, Magneten, Schirme und sehr lustige Jutebeutel. So einen oder zwei oder drei werde ich mir dort aber sicher persönlich kaufen, obwohl man auch alles online bestellen kann. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff „to-pop-up“ alles, was zeitlich befristet, kurzfristig oder unerwartet erscheint und nach kurzer Zeit (hoffentlich) wieder verschwindet. Dann ist ja quasi unangekündigter Verwandtschaftsbesuch zur Wiesnzeit ein richtiges Familien-Pop-up.