Keine Chance für die Wiesn-Viren

von Redaktion

Aktion in der Marien-Apotheke: Grippe-Impfung vor dem Oktoberfest

Viren-Herd Bierzelt: Professor Christoph Spinner impft Klaus Holetschek (li.) in der Marien-Apotheke. Auch Rentner Robert Harst (Foto rechts) schaute vorbei. © Oliver Bodmer (2)

Der Sommer ist noch nicht mal richtig zu Ende – und in München beginnt schon gleich wieder die Grippe-Saison. Schuld daran ist meist die Wiesn. Daten belegen, dass die Viren in der Landeshauptstadt und der Umgebung wegen des Oktoberfests schon früher grassieren als im Rest der Republik. Deshalb läuft seit gestern die zweite Ausgabe der Aktion „O‘zapft is – aber bitte Grippe-geimpft!“, bei der sich Münchner ab 18 Jahren schon jetzt unkompliziert pieksen lassen können. Keine Chance für die fiesen Wiesn-Viren!

Zum Startschuss in der Marien-Apotheke am Sendlinger Tor krempelte gestern Vormittag beim Pressetermin auch der ehemalige Gesundheitsminister und Chef der CSU-Fraktion im Landtag, Klaus Holetschek, die Ärmel hoch. Seine Influenza-Impfung gab es persönlich vom leitenden Oberarzt der Infektiologie des Klinikums der TU München, Prof. Christoph Spinner. Holetschek: „Gerade vor dem Oktoberfest zeigt Vorsorge: Wir passen aufeinander auf. Ich unterstütze die Aktion, weil Impfen einfach hilft.“

Und zwar tatsächlich noch rechtzeitig, bevor die Wiesn am 19. September startet. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Wer in München wohnt, sollte sich nun impfen lassen“, rät Experte Christoph Spinner. „Die Schutzwirkung der Grippe-Impfung braucht nur ungefähr eine Woche, bis sie sich voll entfaltet. Auch eine Impfung gegen Covid ist jetzt besonders sinnvoll, das Infektionsrisiko ist auf der Wiesn hoch.“ Die Corona-Welle während und nach dem Fest war beispielsweise 2023 klar höher als die Winterwelle – das ergaben Abwasserwerte.

Auch wenn der Begriff es nahelegt: „Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza“, sagt Christoph Spinner. „Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden.“ In der bierseligen Enge der Zelte haben es Erkältungsviren aller Arten leicht – Rhino-, Adeno- und Enteroviren etwa. Vor ihnen kann man sich nicht mit einer Impfung schützen. Vor Corona und Influenza allerdings schon.

Auch Rentner Robert Harst (67) kam gestern zur Grippe-Impfung in die Marien-Apotheke. „Ich habe Diabetes Typ 2 und lasse mich jedes Jahr gegen Corona und Influenza impfen. Von der Aktion habe ich in der Zeitung gelesen – das ist echt praktisch.“ Auch am heutigen Mittwoch von 9 bis 18 Uhr können sich Interessierte gegen Vorlage des Impfausweises und der Krankenkassenkarte kostenlos impfen lassen. Vergangenes Jahr ließen sich über 300 Personen an zwei Aktionstagen dort impfen, heuer wurde die Aktion ausgeweitet. Mehr als 40 Arztpraxen und Apotheken in der Region beteiligen sich diesmal – auch noch in den kommenden Tagen. Einfach nachfragen!

Prinzipiell gilt: Über 60-Jährige sollten sich gegen Influenza impfen lassen, über 75-Jährige gegen Corona. Dazu kommen chronisch Kranke. Aber sinnvoll ist die Impfung eigentlich für fast jeden. „Beispielsweise Kinder von chronisch kranken Personen können so Angehörige schützen“, sagt Spinner. Auch wer nicht zur Wiesn geht, sollte vorbeugen. Die Viren grassieren zur Wiesnzeit in der ganzen Stadt, etwa im öffentlichen Nahverkehr. Spinner fügt hinzu: „Die Grippe-Impfung kann die Gefahr von schweren Verläufen um 70 bis 80 Prozent senken, von einer Krankenhausaufnahme um 60 bis 70 Prozent.“

In Deutschland sterben laut Robert-Koch-Institut jedes Jahr durchschnittlich 8000 bis 11.000 Menschen an Influenza. Infektiologe Christoph Spinner: „Influenza steigert zudem die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfälle und Herzinfarkte – auch hier kann die Impfung helfen.“ Auch er selbst hat sich am Dienstag in der Apotheke pieksen lassen. „Ich gehe nämlich auch gerne auf die Wiesn.“NINA BAUTZ

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