Manchmal ist der Fall klar: Wenn man in München auf Straßen wandelt, die nach französischen Orten benannt sind, dann ist man im Franzosenviertel in Haidhausen gelandet. In Gern und Obersendling sind zahlreiche Straßen Malern gewidmet, und in Großhadern sowie in der Fasanerie gibt es Blumenviertel.
Das erleichtert die Orientierung, kann aber auch Verwirrung stiften. Es fängt schon bei der Widmung an. Wer zum Beispiel im Franzosenviertel glaubt, die Stadtväter hätten hier einst der deutsch-französischen Freundschaft ein Denkmal setzen wollen, ist auf dem Holzweg. Also jetzt nicht auf dem Arno-Holz-Weg in Englschalking, sondern auf dem sprichwörtlichen. In Wahrheit wollte der Magistrat mit diesen Widmungen an ruhmreiche Siege im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 erinnern.
Da scheinen Künstler als Namenspatron schon unverfänglicher. Obwohl München auch damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat. So musste die 2011 nach dem Schweizer Maler benannte Johannes-Itten-Straße ein Jahr später schon wieder entnannt werden, nachdem aufkam, dass Itten in einer dubiosen Sekte aktiv gewesen war.
Dann schon lieber Blumen, die sind unverfänglich. Oder Flüsse wie in Englschalking. Oder Berge. Die gibt’s sogar gleich mehrfach: Im Bergviertel in Sendling-Westpark, in der Alpensiedlung in Obersendling und in der Gartenstadt Trudering.
Aber auch hier droht Verwirrung, denn die Abgrenzung ist diffizil. Das musste ich erfahren, als mich mein Navi spätnachts bei der Fahrt vom Osten in den Süden der Stadt auf die Bajuwarenstraße dirigierte: Auf brettlebener Fahrbahn passierte ich Mönchberg-, Everest-, Himalaja- und Unnützstraße. Ein bisserl bunt zusammengewürfelt, aber alles Berge oder Gebirge, dachte ich. Nur: Wie passt die Huchenstraße dazu, an der ich gleich nach dem Einbiegen von der Wasserburger Landstraße vorbeigekommen war? Ich zermarterte mir den Kopf, während das Matterhorn links und das Spieljoch rechts an mir vorbeizogen. Hatte ich mich etwa verlesen, und da stand in Wahrheit Ruchenstraße, benannt nach einem Dreitausender in der Schweiz?
Nein, Namenspatron ist tatsächlich der Huchen, ein imposanter Fisch, auf dessen Rückkehr zu den Laichgründen am Flaucher die Münchner zu Recht stolz sind. Und plötzlich wurde mir klar, wie er ins Bild passt – es fiel mir sozusagen wie Schuppen von den Augen: Wer erinnert sich nicht an das Foto von Reinhold Messner und Peter Habeler, die 1978 erstmals den Mount Everest ohne Sauerstoff bezwangen? Erschöpft und glücklich stehen sie auf dem Dach der Welt, in den Armen einen 1,50 Meter langen Huchen. Es braucht eben nur ein bisserl Fantasie, dann findet man sich in München überall zurecht.
Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie der Truderinger Halligenplatz in diese Sammlung passt. Hat jemand eine Idee?