Und jetzt? Ja was ist denn nun?
Wieder eine Zeitenwende? Eine andere Republik? Oder bald keine mehr? Jedenfalls scheint das Ende nahe zu sein! Wessen Ende? Jedenfalls das Ende aller, die es wagen, etwas anders zu denken als man selbst. Das geht ja gar nicht.
Viele von uns haben fast das ganze letzte Jahrzehnt mit ihrem „Kampf gegen Rechts“ verbracht. Hat nicht Sachsen-Anhalt bewiesen, wie Recht sie hatten? Na bitte! Obwohl: War je eine politische Bewegung mit größerem Aufwand und größerer Förderung noch erfolgloser? Noch kläglicher gescheitert? Wobei, womit, gegen wen haben sie Recht bekommen?
Die anderen, die Lieder der Rechten zumindest ein wenig mitsingen wollten, sind doch auch auf der Strecke geblieben! Klar gescheitert. Die Einsicht bleibt bitter: Alle, die unglücklich über das Wahlergebnis sind, sind vorher auch gemeinsam gescheitert. Sie sollten es nicht einmal versuchen, in Orgien der Rechthaberei Trost zu finden.
Mir geht ein Jugenderlebnis nicht aus dem Sinn. Da war 1971 eine Autofahrt mit Willy Brandt. Damals hatte die NPD die Sozialdemokratie beschuldigt, dem deutschen Volk eine Kollektivschuld aufbürden zu wollen. Meine Frage, ob es so etwas überhaupt gebe, wies er klar zurück: „Schuld ist immer individuell!“ Aber stattdessen gebe es noch etwas Schlimmeres: „Schuld durch Schwäche!“
Der Satz machte mich ratlos. Wieso sollten ausgerechnet Schwache schuld sein? Es gab doch starke Terrorverbände, mächtige Organisationen, reiche Finanziers. Wieso sprach er da ausgerechnet von Schwachen? Seine Antwort: „Wer Faschismus erlebt hat und weiß, wozu er fähig ist, aber als Demokrat schwach bleibt, wird schuldig.“
Vielleicht sollten wir nach einem entsetzlich schwachen Wahlergebnis über diese Schwäche nachdenken, statt es mit jämmerlichen Rechthabereien zu versuchen.