Mit dem E-Scooter in die Notaufnahme

von Redaktion

Wiesn-Zeit, das ist auch die Zeit schwerer Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumata und Brüchen des Mittelgesichts. Als im Jahr 2019 E-Scooter zugelassen wurden, haben sich in München während des Oktoberfestes die Verletzungsmuster in den Notaufnahmen und den Unfallchirurgien geändert.

Wer im Alkoholrausch mit einem E-Scooter stürzt, dem gelingt es meist nicht, sich mit den Händen abzufangen oder abzurollen. Die Folge: „Die Menschen fallen kopfüber über den Scooter und landen mit dem Gesicht einfach ungebremst aus ungefähr zwei Meter Höhe auf dem Asphalt.“ Dies sagt Unfallchirurg Dr. Michael Zyskowski, Leiter einer Forschungsgruppe am TUM-Klinikum, zum Thema E-Scooter-Unfälle. Er veröffentlichte eine Studie, die zeigt, wie schwer die Verletzungen nach E-Scooter-Unfällen sind. Vor allem, wenn die Fahrer alkoholisiert sind, wie zur Oktoberfestzeit.

Wer nach der Wiesn mit dem E-Scooter auf welche Weise stürzt, das hat Zyskowski 2019 im TUM-Klinikum rechts der Isar genau untersucht: „Das war das erste Jahr der E-Scooter in Deutschland und prompt haben sich bei uns die Unfallzahlen verdoppelt.“

Von den verunfallten E-Scooterfahrern waren darüber hinaus alle alkoholisiert und männlich, keiner trug einen Helm und alle Unfälle passierten nachts auf Leihgeräten. „Dass Frauen alkoholisiert mit einem E-Scooter stürzen, hat absolut Seltenheitswert“, sagt der Experte.

Mit der Zahl der E-Scooter stieg auch die Zahl der Unfälle stetig an. In den vergangenen vier Jahren hat sie sich verdreifacht, ergab eine Untersuchung der ADAC-Unfallforschung. 2025 gab es in Deutschland 16.000 Unfälle mit E-Scootern, bei fast 15.000 Fällen mit Verletzungen. Häufig sind unter 18-Jährige betroffen. Die Hauptursachen sind die falsche Nutzung von Fahrbahnen, Alkoholeinfluss und unangepasste Geschwindigkeit. Zudem gab es im vergangenen Jahr 60 Prozent mehr Mitfahr-Unfälle mit mehreren Fahrern auf einem Scooter – was nicht erlaubt ist.

Wer nüchtern mit dem E-Scooter stürzt, verletzt sich häufig an den Armen, Schultern und Händen. „Die Menschen versuchen reflexartig, sich abzufangen oder abzurollen“, sagt TUM-Unfallchirurg Zyskowski. Wer allerdings unter Alkoholeinfluss stürzt, hat gehemmte Reflexe und landet deshalb häufig auf der Vorderseite des Kopfes. Da kann es zu schweren Hirnblutungen und Kopfverletzungen, Schädelbrüchen und Brüchen des Mittelgesichts und des Nasenbeins kommen. Darum appelliert Zyskowski, übrigens selbst begeisterter E-Scooter-Fahrer, einen Helm zu tragen. Nach dem Wiesn-Besuch sollte man in ein Taxi oder eine Rikscha steigen und nicht auf einen E-Scooter, ergänzt Prof. Peter Biberthaler. „Der Schutzengel kommt beim E-Scooter, wenn Alkohol im Spiel ist, nicht hinterher“, betont der Leiter der TUM-Unfallchirurgie.

Die Volkshochschule München bietet ab September ein neues Fahrsicherheitstraining für E-Scooter, E-Bikes und LimeBikes in München. Informationen und Anmeldung unter mvhs.de.SUSANNE SASSE

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