Bratislava – Tschechen und Slowaken verstehen sich bis heute bestens. Trotzdem teilten sie am heutigen Samstag vor 25 Jahren ihren gemeinsamen Staat. Auch wenn beide inzwischen die Trennung akzeptieren, wirft sie Fragen auf.
-Herr Kovac, wie standen die tschechische und die slowakische Bevölkerung damals zur Teilung?
Es gab eine ganze Reihe Umfragen in beiden Landesteilen. Miteinander gemeinsam hatten sie alle, dass die Mehrheit ganz eindeutig für den Erhalt des gemeinsamen Staates war. Offensichtlich ist, dass im August 1992 in Brünn (Brno) die Regierungschefs der beiden Teilrepubliken, Vaclav Klaus (Tschechien) und Vladimir Meciar (Slowakei) unter vier Augen die wichtigsten Entscheidungen aushandelten. Sie waren beide machtverliebt und nur die Trennung hat ihnen beiden die Macht im jeweiligen Landesteil garantiert.
-Wie konnte die Auflösung des gemeinsamen Staates gegen den Bevölkerungswillen durchgesetzt werden?
Nach jedem demokratischen Verständnis müsste die Entstehung neuer Staaten bedeuten, dass es nach einer kurzen Übergangsphase Wahlen gibt, mit denen sich die neue Staatselite legitimiert. Aber weder in der Tschechischen Republik noch in der Slowakei gab es solche Wahlen. Es wurden einfach die Parlamente und Regierungen der Teilrepubliken ohne Neuwahl zu Institutionen souveräner Staaten aufgewertet. Die Proteste beschränkten sich auch deshalb auf kleine Demonstrationen von nur ein- bis zweitausend Menschen, weil man die Bevölkerung bis kurz vor Weihnachten 1992 in der Illusion hielt, es werde noch das von der Verfassung vorgesehene Referendum geben. Doch das vermieden Klaus und Meciar, weil sie bei negativem Ausgang wohl hätten zurücktreten müssen.
-Aber gewisse Rivalitäten von Tschechen und Slowaken gab es damals ja wohl doch?
Natürlich bestanden große, historisch bedingte wirtschaftliche Unterschiede zwischen beiden Landesteilen. Die führten auch dazu, dass vor allem die weniger Gebildeten empfänglich für Propaganda waren. Auf slowakischer Seite prangerten Populisten als Ungerechtigkeit an, dass die tschechischen Durchschnittslöhne höher als die slowakischen waren. Und Klaus in Tschechien erweckte den Eindruck, die Tschechen würden sich leichter tun und schneller in die EU kommen, wenn sie nicht für die wirtschaftlich schwächeren Slowaken mitzahlen müssten. Aber Tschechen und Slowaken sind so pragmatisch, dass das nicht in nationalistische Spannungen wie etwa in Jugoslawien ausartete. Zumindest dafür war die Trennung gut, dass auch diese nationalistischen Diskussionen danach zu Ende waren.
Interview: Christoph Thanei