Der öffentliche Vorwurf des jungen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Polen verstoße gegen Europas Interessen und Werte, wird Jaroslaw Kaczynski, den ungekrönten Herrscher in Warschau, sicher nicht um den Schlaf bringen. Auch der immer höhere Druck der EU-Kommission auf Polen, die rechtsstaatliche Ordnung nicht zu beschneiden, wird den PiS-Chef wenig beeindrucken: Weiß er sich doch eng mit seinem ungarischen Bruder im rechtsnationalen Geiste, Viktor Orbàn, verbunden. Und der könnte mit einem Veto im EU-Rat jenen Stimmrechtsentzug verhindern, den Präsident Juncker Warschau androht.
Doch an diesem Wochenende kam öffentliche Kritik am Gebaren von Kaczynski & Co. von einer Seite, die jede Regierung in Polen fürchten muss: der Kirche. Primas Polak nutzte den Gedenkgottesdienst zu Ehren der schwarzen Madonna von Tschenstochau nicht nur zur Fundamentalkritik an einer „gedankenlosen Zerstörung der gesellschaftlichen Ordnung“. Er rief explizit auch zur Unterstützung von Flüchtlingen und zu europäischer Solidarität auf. Das ist für Kaczynskis Ohren, der immer seine Nähe zur katholischen Kirche demonstriert hat und beide Themen für Teufelszeug hält, starker Tobak. Polens Zivilgesellschaft hat es im Bunde mit der katholischen Kirche seinerzeit geschafft, das kommunistische Joch abzuschütteln. Bündeln beide Seiten erneut ihre Kräfte, könnten auch die Tage der Kaczynski-Autokratie gezählt sein.
Alexander Weber
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