Für die Freunde des klassischen Boxens war das schon eine Erleichterung: Der oftmalige Weltmeister Floyd Mayweather, auch mit 40 und nach zwei Jahren Ruhestand ein Meister seines Fachs, ließ den wilden Iren Conor McGregor, einen Quereinsteiger aus dem neumodischen Käfigkampf, locker abprallen. Nicht auszudenken, wenn es anders ausgegangen wäre: Das hätte die Aufmerksamkeit noch stärker auf das „Ultimate Fighting“ gelenkt, einen Sport, der nicht gerade den Respekt vor dem Gegner lehrt, sondern die Rücksichtslosigkeit, und der daher zurecht umstritten ist. Auch mal ganz gut, wenn im Sport Hierarchien bestehen bleiben und nicht alles umgeworfen wird.
Dennoch war dieser „Megafight“ desillusionierend. Unabhängige Experten – also diejenigen, die nicht von einem der beteiligten TV-Sender eingekauft worden waren wie etwa Wladimir Klitschko – hatten die Chancenlosigkeit McGregors in einem nach dem für ihn ungewohnten Boxregeln ausgetragenen Kampf vorhergesehen. Trotzdem floss noch nie so viel Geld in ein Box-Event wie in dieses, in Amerika waren die Leute bereit, fürs Pay-per-view 100 Dollar auszugeben. Hierzulande war’s zwar viel billiger, mitgetrommelt haben aber so viele Medien, dass man irgendwann fast glauben musste: Der Haudrauf aus Irland kann gewinnen.
Aus Marketingsicht: Gutes „Storytelling“. Aber Sport ist halt mehr als Marketing.
Günter Klein
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