Mordserie in Kliniken

Hinschauen statt wegducken

von Redaktion

Wer ins Krankenhaus muss und womöglich gar auf die Intensivstation, der legt sein Leben in fremde Hände: Er vertraut auf die Fürsorge von Krankenschwestern, Pfleger und Ärzten – und die allermeisten von ihnen haben dieses Vertrauen auch redlich verdient: Sie wollen helfen und leisten Tag für Tag gute Arbeit.

Der Fall von Niels H. zeigt aber auch: In der speziellen Situation einer Klinik kann es reichen, wenn ein einziger vom Helfer zum Täter wird – zumal es Verbrechen immer geben wird und vor einer schwarzen Weste auch ein weißer Kittel nicht schützt. Niels H. hätte aber viel früher gestoppt werden können. Schon Jahre vor seiner Entlassung gab es nicht nur üble Gerüchte. Die Zahl der Todesfälle schnellte nach oben, wenn er Dienst hatte. Es gab viele Indizien, denen man hätte nachgehen können – und müssen. Doch dort, wo sonst so mutig um jedes Leben gerungen wird, fehlte manchen die Courage. Auch der gute Ruf einer Klinik war offenbar wichtiger als die Patienten.

Es gab viele Gründe, warum Niels H. immer weiter morden konnte. Ein anonymes Meldesystem für Mitarbeiter – ein Rätsel, warum es das nicht längst in allen Kliniken gibt! – hätte es allein wohl nicht verhindern können. Zu viele Leute haben einfach weggeschaut. Dass seit vielen Jahren die Zahl der Obduktionen sinkt, macht es Tätern wie Niels H. nochmals leichter. Wenn allzu viele Fäden reißen, hält auch ein gutes Sicherheitsnetz nicht mehr.

Andrea Eppner

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