Italien

Ein Verbrechen mit Folgen

von Redaktion

von Ingo-Michael Feth

Rom – Es geschah in mondloser Nacht am Strand von Rimini. Eine Bande junger Männer in Kapuzenshirts umringt ein polnisches Pärchen, das seine letzte Urlaubsnacht unter Sternen am Meer verbringt. Nach kurzem Wortwechsel prügeln und treten die Vermummten zunächst auf den jungen Polen bis zur Bewusstlosigkeit ein. Dann vergewaltigen sie seine Verlobte, brutal und gnadenlos. Beide werden außerdem ausgeraubt. Jogger finden die beiden am frühen Morgen blutüberströmt.

Ein paar Tage später gerät der Überfall nun immer mehr zum Politikum. Zum einen in Polen, wo die Anhänger der regierenden, rechtsnationalen PIS das traurige Schicksal der Landsleute ungeniert ausschlachten. In Hasskommentaren wird etwa die Wiedereinführung von Folter, Kastration und Todesstrafe gefordert. „Das überlassen wir nicht den Italienern“, erklärte zudem Vizejustizminister Patryk Jaki in der Zeitung „Rzeczpospolita“. „Das ist die Sache des polnischen Staates. Wir werden alles tun, um die Täter zu finden und sie ins Gefängnis nach Polen zu bringen.“ Das klang so, als würden die in der EU gerade schwer kritisierten Polen ihrem EU-Partner in Sachen Strafverfolgung nicht weit über den Weg trauen.

Doch auch in Italien, das sich im Vorwahlkampf befindet, wird der Fall zum politischen Sprengstoff: Die Ermittler gaben bekannt, dass es sich bei der Bande wohl um polizeibekannte nordafrikanische Drogendealer handle. Wasser auf die Mühlen aller fremdenfeindlichen Kräfte von Lega Nord über die Neofaschisten bis hin zur Protestbewegung der Grillini.

Was jedoch das politische Fass endgültig zum Überlaufen brachte, war ein Facebook-Eintrag des Beauftragten für interkulturelle Vermittlung der Stadt Bologna. Der aus Pakistan stammende Mann schrieb: „Eine Vergewaltigung ist nur am Anfang schlimm, aber dann beruhigt sich die Frau und es wird normaler Sex.“ Er wurde zwar umgehend vom Dienst suspendiert, doch der Aufruhr war perfekt. Aus den Reihen der rechtsextremen Lega Nord etwa wurde gefragt: „Wann ist endlich Boldrini dran?“ Gemeint ist die resolute Präsidentin der römischen Abgeordnetenkammer aus den Reihen des regierenden Partito Democratico, die mit ihrem Einsatz etwa für Frauenrechte und homosexuelle Partnerschaften schon lange zur Reizfigur der Ultrarechten geworden ist.

Derweil laufen die Ermittlungen weiter. Videoaufzeichnungen aus Überwachungskameras sollen die Polizei auf die Spur der Bande führen. Auch die polnische Justiz hat ein Verfahren eröffnet und will Beamte zur Aufklärung nach Italien entsenden.

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