Nicht nur eingefleischte Kohl-Fans werden die Nachricht seines Sohnes Walter, dass das Thema Erbschaft innerhalb der Familie des verstorbenen Altkanzlers erledigt ist, mit einer gewissen Erleichterung registriert haben. Selbst Kritiker und politische Gegner von einst fühlten sich von den Ränkespielen und öffentlichen Auseinandersetzungen rund um die Beisetzung des Kanzlers der Einheit unangenehm berührt. Das Gezerre um Gedenkfeier und Grab war weder der historischen Persönlichkeit Helmut Kohls noch dessen verstorbener Langzeit-Ehefrau Hannelore würdig gewesen. Umso erfreulicher, dass der Öffentlichkeit wenigstens ein Kampf um das materielle Erbe des großen Pfälzers erspart bleibt. Wie Walter Kohl jetzt in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ erklärte, wurde dieser Themenkomplex bereits 2016 gerichtlich geklärt.
Spannend bleibt jedoch die Frage nach dem Umgang mit der politischen Hinterlassenschaft, den vielen Akten und Notizen des früheren CDU- und Regierungschefs. Was das geneigte Publikum nicht braucht, ist geschminkte Heldenverehrung. Helmut Kohl hat seine Sicht der Dinge in dicken Büchern bereits dargestellt. Jetzt sollten unabhängige Wissenschaftler vollständigen Zugang zu dem zeitgeschichtlichen Datenschatz erhalten.
Alexander Weber
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