Bundestagswahlkampf 2017

Mehr Bayern wagen

von Redaktion

Beginnen wir mit einem kleinen Rätsel: Wie heißt der Spitzenkandidat der Bayern-FDP? Wer steht auf Platz 1 der Grünen-Liste? Und wer soll nochmal das Aushängeschild der AfD im Freistaat sein? Wer alle drei Fragen beantworten kann (Daniel Föst, Claudia Roth und Martin Hebner), darf sich – Glückwunsch! – als fortgeschrittener Kenner der Politszene im Freistaat fühlen.

Es ist schon grotesk: Der Spitzenplatz auf den Landeslisten der Parteien ist mitunter heftigst umkämpft. Die CSU vollführte sogar wochenlang eine Castingshow (inoffizieller Titel: „Wer muss nach Berlin?“), ehe Joachim Herrmann als Spitzenkandidat feststand. Doch während Bayerns umtriebiger Innenminister wenigstens qua Amt noch sehr präsent ist, finden die Mitbewerber der kriselnden Konkurrenz kaum statt. Bei Florian Pronold, abgetretener Landeschef der Bayern-SPD, aber immer noch Spitzenkandidat seiner Partei, wäre man fast versucht, eine Vermisstenmeldung aufzugeben.

In diesem thematisch ohnehin recht müden Wahlkampf konzentriert sich alles nur noch auf die Kandidaten im Bund: Merkel, Schulz, Lindner, Özdemir und Gauland prägen alle Debatten. Das ist schade, weil auch ein Bundestagswahlkampf regionale Themen berücksichtigen sollte. Und die Parteien, die der CSU in leicht beleidigtem Unterton Wettbewerbsvorteile aufgrund ihres Sonderstatus innerhalb der Union attestieren, sollten ihre Prioritäten stärker auf Bayern legen. Sonst gewinnt man keine Wahl.

Mike Schier

Sie erreichen den Autor unter

Mike.Schier@ovb.net

Artikel 11 von 11