München – Der Wahl-O-Mat ist wieder da: Die Bundeszentrale für politische Bildung schaltete am Mittwoch das Programm für die Bundestagswahl am 24. September frei. Laut einer Umfrage des Instituts YouGov ist der Wahl-O-Mat inzwischen fast neun von zehn Deutschen bekannt. 30 Prozent gaben an, sie wollten das Angebot auch selbst im Vorfeld der Bundestagswahl nutzen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sei es sogar jeder Zweite. Menschen mit höherer Bildung interessieren sich demnach häufiger für den Wahl-O-Maten als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wir fragten Jürgen Falter, Politikwissenschaftler an der Universität Mainz, was das Angebot wert ist.
-Herr Falter, hilft der Wahl-O-Mat wirklich bei der Entscheidung in der Wahlkabine?
Er ist ein sinnvolles Instrument, das das politische Interesse wecken kann. Und er ist eine Möglichkeit für diejenigen, die politisch interessiert sind, sich noch einmal zu vergewissern, ob die Partei, die sie wählen wollen, auch die ist, die ihnen inhaltlich am nächsten steht. In seiner Wirkung wird der Wahl-O-Mat wahrscheinlich oft etwas überschätzt. Mancher Nutzer wundert sich, welche Partei ihm am Ende anempfohlen wird.
-Ist Ihnen das auch schon mal passiert?
Es passiert mir regelmäßig vor jeder Wahl, dass mir eine andere Partei vorgeschlagen wird als die, die ich dann wähle. Ein Nachteil des Wahl-O-Maten besteht ja darin, dass nur nach Sachpositionen gefragt wird und nicht nach Personen. Personen sind mit ausschlaggebend für die Wahlentscheidung: So sind etwa viele CDU-Wähler mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel sehr unzufrieden – aber sie wählen sie trotzdem, weil sie sagen: Merkel ist verlässlich, berechenbar, nicht so hysterisch wie andere. Solche Überlegungen werden im Wahl-O-Maten nicht berücksichtigt.
-Wäre die Berücksichtigung von Kandidaten ein Verbesserungsvorschlag für den Wahl-O-Maten – oder widerspräche das seinem Grundkonzept?
Das wäre gegen das Konzept, das ganz eindeutig auf Sachfragen ausgerichtet ist. Man könnte natürlich am Ende fragen: Welcher Politiker vertritt die Meinung am stärksten, die ich gerade als meine Meinung herausgefunden habe. Das wäre eine Verbesserungsmöglichkeit.
-Wie könnte man den Wahl-O-Maten noch treffsicherer machen?
Das System hat ja einen zweiten Mangel: Es sagt nichts aus über die Politik, die dann wirklich stattfindet. Die sieht ja oft ganz anders aus als das, was in den Wahlprogrammen der Parteien steht; das ist die reine Lehre, wenn man so will. In einer Koalition müssen sich die Partner aber viele eigene Ideen abschminken und Schwerpunkte der anderen akzeptieren. Es gibt ein neues Konkurrenzmodell zum Wahl-O-Maten: Auf deinwal.de – wird auf das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten in der letzten Legislaturperiode eingegangen. Eine Mischform zwischen beiden Konzepten wäre wohl das Ideale – dann wären auch Erfahrungswerte integriert.
Interview: Barbara Wimmer