Frankreich startet Reformprogramm

Macrons zwei Gesichter

von Redaktion

La vie en rose ist für Frankreichs Präsidenten Macron erst einmal vorbei: Nach den triumphalen Wahlsiegen um den Elysée-Palast und die Nationalversammlung steht dem jungen Staatschef nun die Mühsal der Ebene bevor. Und ganz nach der Devise, politische Grausamkeiten zu Beginn der Amtsperiode umsetzen, damit sich die Früchte bis zur nächsten Wahl bereits zeigen und der bittere Geschmack beim Wähler vergessen ist, startet Macron mit der Vorlage der Arbeitsmarktreform.

Es ist das Herzstück in seinem Konzept, Frankreichs Wirtschaft mit mehr Flexibilität für die Betriebe wiederzubeleben, den Berg an Arbeitslosen abzubauen und die Tristesse in der Grande Nation zu überwinden. Dass ein Teil der immer noch starken Gewerkschaften dagegen Sturm laufen würde, war zu erwarten. Immerhin war Macrons Regierung aber geschickt genug, durch intensive Vorgespräche die Gewerkschaftsbewegung zu spalten. Paris stehen zwar politisch heiße Wochen bevor, doch die Chancen, dass Macron es schafft, im Gegensatz zu seinen Vorgängern Hollande und Sarkozy nicht nur ein Reförmchen, sondern tatsächlich den Durchbruch zustande zu bringen, stehen – aktuell schwache Umfragewerte hin oder her – gut.

Als erfolgreicher Reformer im Inneren wird der Präsident dann versuchen, die Dinge auf europäischer Bühne zu verändern. Hier heißt es: Vorsicht! Vor allem in Berlin muss dann Tapferkeit vor dem Freunde das Gebot der Stunde sein. Denn Macron träumt von einer Lockerung der Budgetpolitik, gemeinsamen Schulden und einem 100-Milliarden-Euroraum-Etat. So lieb uns die Franzosen sind, diese Vision käme uns Deutsche teuer.

Alexander Weber

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