Wäre die Causa Nordkorea ein Polizeiverhör, könnte man denken, Donald Trump und Wladimir Putin hätten sich abgesprochen. Der eine mimt den Bad Cop, den bösen Polizisten, der raunt, reden sei „nicht die Antwort“. Der andere übernimmt als Good Cop den Part des vernünftigen Beschwichtigers. Aber die amerikanisch-russischen Beziehungen sind derzeit schlecht, an Zusammenarbeit ist nicht zu denken. Dass Putin nun alle Beteiligten zum Dialog ermahnt, hat deshalb eine scheinheilige Seite.
In der Sache liegt er ja richtig. Die Korea-Krise ist nur im Gespräch zu lösen, nicht mit Krieg. Dass er sich nun als Ruhepol in einer verfahrenen Situation aufspielen kann, liegt aber maßgeblich daran, dass er bislang nur Zuschauer der Trumpschen Verbal-Eskapaden war. Wochenlang ließ er die Krise eskalieren und beobachtete, wie sich sein US-Kollege um Kopf und Kragen twitterte. Gelänge es Putin nun, Kim Jong Un an den Verhandlungstisch zu bekommen, wäre er als Weltkrisen-Löser fein raus. Keine Sanktionen, ein Dialog „ohne Vorbedingungen“. So stellt sich Putin sicher auch künftige Gespräche über die Krim vor.
Von all dem ist der Kreml-Chef noch weit entfernt. Russland pflegt zwar gute wirtschaftliche Kontakte zu Nordkorea. Aber ob es auch Zugriff auf die Führung in Pjöngjang hat? Würde China mitziehen, bestünde eine Chance auf Gespräche. Und Trump wäre vollends bloßgestellt.
Marcus Mäckler
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