Washington/Berlin – Der außenpolitische Kommentator Richard Grenell soll neuer US-Botschafter in Deutschland werden. Präsident Donald Trump wolle den früheren US-Sprecher bei den Vereinten Nationen (UN) als Botschafter nach Berlin schicken, teilte das Weiße Haus am Wochenende mit.
Die Stelle des US-Botschafters in Berlin ist seit dem Ausscheiden von John Emerson mit dem Amtsantritt Trumps am 20. Januar verwaist. Die Geschäfte werden vertretungsweise vom Gesandten Kent Logsdon wahrgenommen. Diplomaten in Deutschland und den USA hatten im Interesse der diplomatischen Zusammenarbeit auf eine rasche Besetzung der Stelle gehofft. Der US-Senat muss eine offizielle Nominierung Grenells noch bestätigen.
Mit dem 50-Jährigen hat Trump einen Mann ausgewählt, der über beträchtliche diplomatische Erfahrungen verfügt. Aber zugleich auch jemanden, der es gewohnt ist, mit seiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten. Der nicht nur Trumps außenpolitischen Kurs frühzeitig unterstützt hat, sondern mit ihm auch eine große Schwäche teilt: das Twittern, häufig auch zu aktuellen politischen Themen.
Geboren wurde Grenell am 18. September 1966 im Bundesstaat Michigan als Sohn zutiefst religiöser christlicher Eltern. Er selber entwickelte eine dauerhafte enge Verbindung zu Kirche und Religion und hat sich offen über seinen Glauben und seine inneren Konflikte geäußert, mit denen er rang, bevor er sich 1999 als Homosexueller outete. Grenell studierte am privaten Evangel College und dann an der Eliteuniversität Harvard öffentliche Verwaltung. Er war Berater mehrerer republikanischer Politiker und anschließend – von 2001 bis 2008 – Kommunikationsdirektor für vier UN-Botschafter der USA. Er diente auf diesem Posten länger als jeder andere, und das in turbulenten Zeiten: So entwickelte Grenell etwa Kommunikationsstrategien in Fragen zum Afghanistan- und Irakkrieg.
2010 gründete er eine internationale Beraterfirma, Capitol Media Partners. Er tritt oft beim konservativen Sender Fox News als außenpolitischer Kommentator auf und schreibt Gastbeiträge für zahlreiche prominente US-Medien wie das „Wall Street Journal“, bei „Politico“, CBS News oder CNN.
Auf seiner Internetseite erwähnt Grenell, dass er der erste offen schwul lebende Sprecher eines republikanischen Präsidentschaftsbewerbers war. Im Wahlkampf 2012 war er für kurze Zeit außen-und sicherheitspolitischer Sprecher des damaligen republikanischen Kandidaten Mitt Romney und löste mit bissigen und abfälligen Tweets über Frauen – zumeist Demokratinnen oder Liberale – heftige Kritik aus.
Grenell gilt als schlagfertig und twittert weiterhin überaus gern – dabei spricht er auch offen über seine frühere Krebserkrankung: 2013 wurde bei ihm ein Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, diagnostiziert. Mit seinem langjährigen Lebensgefährten Matt Lashey entwickelte er danach eine Handy-App, die Patienten bei der Bewältigung ihrer Chemotherapie helfen soll.
Der designierte US-Botschafter hatte vor wenigen Tagen nach einem Treffen mit Präsident Donald Trump ein Foto ins Internet gestellt und dazu geschrieben: „Danke, Mr. President.“ Gerüchte hatten ihn bereits als möglichen UN- oder Nato-Botschafter der USA genannt. dpa