Der Brief ist in Zeiten von E-Mails, SMS und WhatsApp selten geworden. Das spürt auch die Deutsche Post – und wittert Einsparpotenzial. Eine Zustellung an nur noch drei Tagen in der Woche oder gar nur noch samstags: Darauf läuft ein Pilotprojekt hinaus, das die Post seit diesem Sommer mit einem ausgewählten Kundenkreis wagt.
Alles freiwillig! Nur ein Test! Ergebnis offen! – beeilt man sich bei der Post zu versichern. Doch ganz ohne Hintergedanken wurde der unpopulären Versuch ja wohl nicht gestartet. Dabei riskieren die Postmanager fast schon mutwillig ein respektables und funktionierendes Geschäftsmodell – ganz im Dienste der Kostenoptimierung.
Briefe sind ja nicht zum Auslaufmodell geworden, nur weil sie Konkurrenz bekommen haben. In vielen Fällen ist auch heute noch rechtlich nur verbindlich, was schwarz auf weiß unterschrieben wurde. Ein Absender kann davon ausgehen, dass ein Brief im Normalfall am nächsten Tag sein Ziel erreicht. Diese Zuverlässigkeit ist der größte Trumpf der Post, den sie tunlichst nicht verspielen sollte, selbst wenn im Briefgeschäft nicht mehr das große Geld zu verdienen ist. Schließlich spült die Digitalisierung an anderer Stelle, nämlich im boomenden Paketversand, genügend Gewinn in die Konzernkasse.
Corinna Maier
Sie erreichen die Autorin unter
Corinna.Maier@ovb.net