Seoul/Washington – Die USA drücken im Atomkonflikt mit Nordkorea aufs Tempo. Angesichts von Berichten, Pjöngjang werde in Kürze weitere Raketen starten, müssten härtere UN-Sanktionen kommen. Dies soll nun binnen einer Woche geschehen. Washington drohte Nordkorea zugleich „mit einer massiven militärischen Antwort“, sollte es zu einer Bedrohung der USA oder seiner Verbündeten kommen. Die USA werfen dem kommunistischen Land vor, mit wiederholten Atom- und Raketentests einen Krieg provozieren zu wollen.
China und Russland riefen indes dazu auf, trotz neuer Provokationen aus Pjöngjang einen kühlen Kopf zu bewahren. Kremlchef Wladimir Putin rief in einem Telefonat mit dem südkoreanischen Staatschef Moon Jae-in zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen auf. Als Reaktion auf den jüngsten Atomtest im Nachbarland hatte Südkorea am Montag militärische Übungen mit Raketen unterschiedlicher Reichweiten gestartet, die ins Japanische Meer abgefeuert wurden.
Chinas UN-Botschafter Liu Jieyi mahnte in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates am Montag in New York eine friedliche Lösung des Konfliktes an. „Wir werden niemals Chaos und Krieg auf der koreanischen Halbinsel erlauben.“ Alle an dem Konflikt beteiligten Seiten müssten einer weiteren Eskalation entgegenwirken. Die Situation verschlechtere sich, „noch während wir hier sprechen“, sagte er. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja bekräftigte: „Wir müssen unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und ein Vorgehen vermeiden, das zu weiteren Spannungen führen kann.“ Der Konflikt sei militärisch nicht zu lösen.
„Krieg ist nie etwas, was die USA anstreben“, sagte Washingtons UN-Botschafterin Nikki Haley, „aber die Geduld unseres Landes ist nicht grenzenlos.“ Kim wolle, dass Nordkorea als Atommacht anerkannt werde, aber Nuklearmächte würden stets verantwortungsvoll handeln. „Wenn ein Schurkenstaat eine Atombombe hat und auf Dich zielt, dann nimmt man nicht die Deckung herunter“, sagte sie.
US-Präsident Donald Trump bekräftigte zudem seine Entschlossenheit, die USA und Verbündete zu verteidigen – „mit der vollen Bandbreite der zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und nuklearen Kapazitäten“, wie er nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefongespräch mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe sagte.
Zusätzlich erwögen die USA „allen Handel mit Ländern einzustellen, die Geschäfte mit Nordkorea machen“, teilte er auf Twitter mit. Die wirtschaftlichen Verbindungen zu Nordkorea müssten gekappt werden, sagte Finanzminister Steven Mnuchin dem Sender Fox. Eine Unterbrechung des Handels würde besonders China treffen, über das rund 90 Prozent der nordkoreanischen Ein- und Ausfuhren laufen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beriet am Montagabend mit US-Präsident Donald Trump ebenfalls über den neuerlichen Atomwaffentest. Beide seien sich einig gewesen, „dass der Test einer Wasserstoffbombe eine neue und inakzeptable Eskalation durch das nordkoreanische Regime bedeutet“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Beide hätten zudem die Auffassung vertreten, dass die internationale Gemeinschaft „den Druck auf das Regime in Nordkorea weiter erhöhen“ müsse. dpa