München – Vor der Bundestagswahl halten die bayerischen Wähler das Thema Flüchtlinge für die größte Herausforderung für die deutsche Politik. 58 Prozent sehen das so, ergibt der aktuelle „Bayern-Trend“, den Infratest dimap für das BR-Politikmagazin „Kontrovers“ erstellt hat. Eine größere Bedeutung schreiben die stimmberechtigte Bayern auch den Themen Soziale Gerechtigkeit (20 Prozent), Zukunft der Rente (17 Prozent) sowie Bildung (14) zu. Dagegen werden die Themen Arbeitsmarkt (7 Prozent) und Wirtschaft (6) nachrangig bewertet. Auch Kriminalität geben nur 6 Prozent an. 88 Prozent fühlen sich in Deutschland sicher.
Gespaltene Haltung zu Flüchtlingen: 37 Prozent der Befragten betrachten die aufgenommenen Flüchtlinge als eine Bereicherung, ungefähr genausoviele (38 Prozent) sehen sie hingegen als Belastung für das Leben in Deutschland an. Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen haben demnach vor allem Anhänger der AfD (84 Prozent). Auf der anderen Seite bewerten Grünen-Anhänger Flüchtlingen am häufigsten als Bereicherung (74 Prozent).
Mehrheit gegen Fahrverbote für Verbrenner-Fahrzeuge: Pläne, die ein generelles Verbot von Fahrzeugen mit Diesel- und Benzinmotoren vorsehen, finden in Bayern derzeit keine Mehrheit. 63 Prozent sind dagegen, den Verkauf von derartigen Neuwagen innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte zu verbieten, 30 Prozent würden dies befürworten. Ein künftiges Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor lehnen demnach insbesondere FDP- (83 Prozent) und AfD-Anhänger (86) ab. 70 Prozent der Grünen-Anhänger befürworten das dagegen mit Blick in die Zukunft.
Jeder Vierte zweifelt am Verbraucherschutz: 60 Prozent der bayerischen Wähler sehen die Interessen der Verbraucher in Deutschland als gut oder sogar sehr gut geschützt an. 38 Prozent erkennen dagegen Defizite. Besonders Anhänger der AfD (68 Prozent) und der Linken (70) sehen das kritisch.
Bayern wollen unionsgeführte Koalition: Bayerische Wähler trauen der Union (55 Prozent) eher die Führung einer künftigen Bundesregierung zu als der SPD (26 Prozent). Auch bundesweit favorisiert fast die Hälfte (49 Prozent) eine unionsgeführte Regierung, 38 Prozent wollen die SPD in der Führung sehen. Bei den bayerischen AfD-Anhängern wollen dagegen 45 Prozent eine unionsgeführte Bundesregierung, die andere Hälfte will weder CDU/CSU noch SPD am Ruder sehen.
Unter den denkbaren unionsgeführten Koalitionsmodellen haben die Bayern laut Umfrage zu 50 Prozent Sympathie für eine schwarz-gelbe Regierung aus Union und FDP. Auch eine Fortführung der Großen Koalition aus Union und SPD stößt auf vergleichsweise großen Zuspruch (48 Prozent). Ein schwarz-grünes Bündnis fänden 43 Prozent gut, eine noch um die FDP ergänzte Jamaika-Koalition 38 Prozent. 26 Prozent äußern sich im Freistaat positiv zu einer Koalition aus SPD, Grünen und FDP, 19 Prozent hätten Sympathien für Rot-Rot-Grün. Interessant: Grünen-Anhänger sehen Schwarz-Gelb mehrheitlich (78 Prozent) wohlwollend, können sich aber kaum für einen Regierungsbeteiligung in einer Jamaika-Koalition erwärmen (45). Sebastian Horsch