Aufmerksamkeit ist im Wahlkampf eine harte Währung. Das weiß auch die AfD, die ja ohnehin tut, was immer nötig ist, um ins Gespräch zu kommen. Der vorzeitige Abgang von Spitzenkandidatin Alice Weidel aus der ZDF-Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ gehört zweifelsohne in diese Kategorie. Es wäre schade, wenn kurz vor der Wahl jemand auf ein so billiges Schauspiel hereinfiele.
Wer Augen im Kopf hat, der sah, dass Weidel ihre theatralische Einlage geplant hatte. Auf eine Stichelei der Linken Katja Kipping reagierte sie mit überzogenem Groll („eine Zumutung, hier zuhören zu müssen“). Schmollte dann. Die Aufforderung von Andreas Scheuer (CSU), sie möge sich von Bernd Höcke und Alexander Gauland distanzieren, war dann wie das Kommando des Regisseurs: Abgang. Dass Weidel kurz darauf im Internet gegen Moderatorin Marietta Slomka nachtrat, war schlicht selbstenttarnend. Irgendwie musste wohl das Lügenpresse-Klischee noch bedient werden.
Mag sein, dass das Bild der unbeugsamen Anti-Mainstreamerin bei einzelnen verfing. Der Rest sah eine Spitzenkandidatin, die nicht diskutieren, sondern postulieren wollte und eine Wahl-Sendung als Boulevard-Bühne missbrauchte. Die Partei behauptet ja gerne, eine Bereicherung für den Bundestag zu sein. So wird das nichts.
Marcus Mäckler
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