Die Wähler sind bei dieser Bundestagswahl so alt wie nie zuvor. Da jeder Dritte über 60 ist, fürchten die Parteien ihren Zorn, wenn es um die Rente geht. Das hat man zuletzt auch Angela Merkel angemerkt, die im TV-Duell mit Martin Schulz dem angeblichen Unions-Vorhaben „Rente mit 70“ so heftig widersprach, als hätte man ihr eine heimliche Liaison mit Wolfgang Schäuble nachgesagt. Tenor: Was unterstellen Sie mir da?
Dabei sind die Gründe dafür, dass die Deutschen in Zukunft wohl wirklich länger arbeiten müssen, zwei erfreuliche: Erstens: Wir werden immer älter. Zweitens: Wir sind dabei gesünder. Selbstverständlich muss und wird das Auswirkungen auf die durchschnittliche Lebensarbeitszeit haben. Wie sonst soll das Umlagesystem finanzierbar bleiben, wenn zunehmend weniger Arbeitnehmer auf einen einzelnen Rentner kommen? Durch immer höhere Beiträge? Durch ein immer tieferes Rentenniveau? Viel Spielraum bleibt bei beidem nicht.
Trotzdem: Merkel hat nicht gelogen. Bis es zur „Rente mit 70“ kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Noch wird ja gerade erst die „Rente mit 67“ umgesetzt. Dass das aber eines Tages nicht mehr ausreicht, ist absehbar. Erstaunlich ist hingegen, dass die Parteien deshalb gerade um die Stimmen älterer Wähler fürchten müssen. Denn es sind die jetzt noch Jungen, die das alles am stärksten betreffen wird. Die Beitragszahler von heute und morgen, die Rentner von übermorgen, wirken erstaunlich gelassen.
Sebastian Horsch
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