Wladiwostok/New York/Peking – Im Streit über Nordkoreas Atomwaffentests sperrt sich Russland gegen die US-Forderung nach schärferen Sanktionen einschließlich eines Ölembargos. Während selbst die chinesische Führung dem Gedanken stärkerer Strafen näherrückte, forderte der Kremlchef Wladimir Putin, das isolierte Nordkorea durch Zusammenarbeit in die internationale Gemeinschaft einzubinden.
Putin warnte die USA davor, sich von Nordkorea provozieren zu lassen. „Alles, was derzeit passiert, ist natürlich eine Provokation“, sagte er. Die nordkoreanische Führung sei nicht dumm: Sie rechne mit einer Reaktion und erziele sie auch. „Warum machen sie da mit?“, fragte der Kremlchef in Richtung Washington. Nordkorea sehe seine Atomwaffen als einzigen Schutz und werde sie nicht abgeben.
Die Führung in Pjöngjang hatte am Sonntag nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe testen lassen, mit der eine Langstreckenrakete bestückt werden kann. Der sechste und bisher größte Test seit 2006 war ein klarer Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.
Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der japanische Regierungschef Shinzo Abe forderten bei ihrem Auftritt mit Putin in Wladiwostok schärfere Sanktionen. Nordkoreas Außenhandelsminister Kim Yong Jae kündigte dort massive Abwehrmaßnahmen gegen den US-Druck auf sein Land an. Er nannte den Druck barbarisch, wie die Agentur Tass meldete. Nordkorea brauche Atomwaffen, um feindliche Kräfte an jedem Punkt der Erde treffen zu können, sagte Kim Yong Jae. Auf diese Weise sichere es die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel.
„Es ist kontraproduktiv, Kriegshysterie zu schüren“, sagte Putin. Er rechne nicht mit einem Krieg in Ostasien. Deshalb rate er Geldgebern auch, weiter in der Region zu investieren. Mit Nordkorea könne man durch den Ausbau von Bahnlinien und Pipelines oder die Nutzung der Häfen kooperieren. Die USA wollen Nordkorea mit einem Ölembargo belegen und die Vermögen des Machthabers Kim Jong Un im Ausland einfrieren. Das geht aus einem Resolutionsentwurf hervor, den die USA bei den Vereinten Nationen vorlegten. Eine Abstimmung darüber ist derzeit für kommenden Montag geplant. Der Termin kann sich allerdings noch verschieben.
Nordkorea soll auch gehindert werden, Textilien zu exportieren. Weiter soll verboten werden, nordkoreanische Arbeitskräfte im Ausland anzustellen, was dem isolierten Land bisher wichtige Devisen bringt. Nordkoreaner arbeiten zum Beispiel in Russland. Auch China kündigte an, es wolle im Weltsicherheitsrat neue Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang verabschieden. Außenminister Wang Yi sagte in Peking, sein Land unterstütze „weitere Schritte“.
Gestern Abend meldete sich auch Donald Trump noch einmal zu Wort. Der US-Präsident nannte eine militärische Option nicht unausweichlich. „Ich würde es bevorzugen, nicht den militärischen Weg zu gehen. Aber das ist sicher etwas, was passieren könnte“, sagte Trump. Man müsse jetzt auf die Details schauen. 25 Jahre „reden, reden, reden“ hätten in dem Streit über eine atomare Bewaffnung Nordkoreas nichts gebracht. „Nordkorea benimmt sich schlecht, und es muss damit aufhören.“