Saarlouis – Der Wahlkreis Saarlouis ist nur einer von 299 in Deutschland – und dennoch steht er besonders im Fokus. Denn hier, unweit der französischen Grenze ganz im Westen der Republik, geht das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag über die Bühne. Mandatsinhaber seit acht Jahren ist Peter Altmaier (CDU), Chef des Kanzleramtes. Herausforderer ist Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Landesvorsitzender seiner Partei.
Was nach Kampf klingt, lassen beide saarländisch entspannt angehen: Jeder hat schließlich Heimvorteil. „Ich bin von hier und möchte den Wahlkreis für die SPD auch selber gewinnen“, sagt Maas (50), seit gut 20 Jahren an der Saar politisch unterwegs. Ähnlich sieht das Altmaier (59): „Ich bin seit 23 Jahren für die Region im Bundestag und ich glaube, dass ich die Gegend und die Leute hier gut kenne.“ Zur Unaufgeregtheit trägt auch bei, dass beide die jeweilige Landesliste ihrer Partei anführen – und so oder so einen Platz im Bundestag sicher haben.
Sie kennen sich auch gegenseitig aus dem Effeff, haben sie doch in den vergangenen Jahren gemeinsam am Berliner Kabinettstisch gesessen und dabei auch saarländische Interessen über Parteigrenzen hinweg vertreten. Der Umgang ist respektvoll. So richtig entschieden ist es auch nicht, ob der Wahlkreis mit seinen knapp 280 000 Einwohnern rot oder schwarz ist. Von 1990 bis 2005 war das Direktmandat fest in der Hand des linken SPD-Politikers Ottmar Schreiner. Erst 2009 gelang es Altmaier nach mehreren gescheiterten Versuchen, Schreiner das Mandat abzujagen. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die CDU an der Saar alle vier Wahlkreise gewonnen.
Bundespolitisch gibt es zwischen Heiko und Peter – man duzt sich – wenig Divergenzen, wenn es ums Saarland geht. „Wir sind im Saarland sehr eng an das Schicksal des Verbrennungs- und des Dieselmotors gekoppelt“, sagt Altmaier mit Hinweis auf zahlreiche Automobil- und Zulieferbetriebe. „Deshalb haben wir kein Interesse, dass der Diesel schlechtgeredet wird.“ Maas erklärt, das Saarland müsse auch weiterhin zuverlässig mit Flugzeug und Bahn erreichbar bleiben. „Das sehe ich auch so“, versichert Altmaier.
Bei aller Harmonie: Die beiden sind aber nicht immer einer Meinung. Der schwergewichtige Altmaier bekennt: „Ich bin kuchenaffin. Ich liebe Sahne- und Schokoschnitten.“ Der drahtige Maas hält sportlich dagegen: „Triathleten geben niemals auf.“ Auch politisch merkt man in der großen Bundespolitik natürlich Unterschiede: Maas ist für die Abschaffung der Pkw-Maut, Altmaier sagt: „Sie ist ja beschlossen.“ Maas spottet, Merkel berufe bei Problemen immer Gipfel ein, Altmaier erwidert: Gipfel hätten sich gerade in der Großen Koalition bewährt. Birgit Reichert