Der Hamburger Fußballtrainer Markus Gisdol hat sich am Freitag in markigen Worten über den desolaten Zustand des sogenannten „Eurosport Players“ beklagt. Er argumentierte aus der Sicht des Fans, der für gutes Geld ein schlechtes Bild bekommt, und des eigenen, technisch überforderten Vaters. Gisdol junior hatte in jeder Hinsicht Recht. Aber es war nur die halbe Wahrheit.
Wie ernst die Lage ist, zeigt die verschnupfte Reaktion der Deutschen Fußball-Liga. Nach dem Videobeweis muss sie sich erneut mit Technikmängeln herumärgern. Diesmal geht es ans Eingemachte. Die verzerrten Bilder lassen das gesamte Konstrukt Bundesliga schlecht aussehen. Das Allerheiligste der Branche, ihr Wachstum, beruht auf einer florierenden Vermarktung. Die wiederum ist auf das Pay-TV angewiesen, auf konkurrierende Anbieter – und eine zuverlässige Technik. Wer soll Geld für Fußball ausgeben, wenn er dafür bloß Bildsalat kriegt? Und wie ernst zu nehmen ist ein Wettbewerber, der es nicht mal hinkriegt, sein Produkt unfallfrei zu präsentieren?
Alle Beteiligten werden alles daran setzen, dass aus kurzfristigem Ärger kein dauerhaftes Misstrauen wird und nach dem „Eurosport Player“ nicht auch das System Profifußball Schaden nimmt. Am Freitag wird Deutschland genau hinschauen. Dann spielt erneut der HSV. Vielleicht sogar vor den Augen von Vater Gisdol.
Marc Beyer
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