Warschau – Die polnische Regierungschefin Beata Szydlo hat die Forderung nach deutschen Kriegsreparationen als „Frage des Anstands und der Gerechtigkeit gegenüber Polen“ bekräftigt. Bevor die Frage auf diplomatischer Ebene vorgetragen werde, müssten politische Weichen in den Gremien ihrer Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gestellt werden, sagte die Politikerin.
Der Bund der Vertriebenen (BdV) erklärte, die Forderungen entbehrten „jeder rechtlichen und moralischen Legitimität.“ Von einer „gezielten Provokation in der heißen Wahlkampfphase“ sprach BdV-Präsident Bernd Fabritius (CSU). „Darauf sollte hierzulande niemand hereinfallen.“ Die jüngere gemeinsame Geschichte umfasse nicht nur das vom deutschen Angriff im Zweiten Weltkrieg erzeugte Leid und den Holocaust, sondern auch das „Unrecht von Flucht und Vertreibung der Deutschen“ und „völkerrechtlich bindende Verträge seit der Nachkriegszeit“.
Die polnische Bischofskonferenz äußerte sich besorgt über die Debatte im eigenen Land. In einem Brief warnte sie die polnische Regierung davor, die deutsch-polnische Versöhnung leichtfertig zu verspielen. Die Kirche bezieht in dem Schreiben nicht eindeutig Stellung gegen die Forderung nach Reparationszahlungen, sondern warnt vor „negativen gesellschaftlichen Emotionen“.
Mit dem Einfall deutscher Truppen in Polen hatte am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begonnen. Die Bundesregierung bekannte sich am Freitag zur Verantwortung für die „unfassbaren Verbrechen“ des Zweiten Weltkriegs, verwies aber auf den Reparationsverzicht Polens im Jahr 1953 und die bis dahin geleisteten Zahlungen. Nach Darstellung Warschaus geschah der Verzicht auf Druck der Sowjetunion.
Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) warf der PiS zwar vor, mit ihrer Forderung von der „Entdemokratisierung“ in Polen abzulenken. Er fügte aber hinzu, der Verzicht Polens sei „nicht das Ende der Geschichte der Entschädigung“. Deutschland habe bisher nur für die Gedenkstätte Auschwitz einen Finanzbeitrag geleistet.