Britisches Parlament billigt Austrittsgesetz

Die Klippe rückt näher

von Redaktion

Ob Theresa May, die um ihr politisches Überleben kämpfende Premierministerin des Vereinigten Königreichs, gestern noch einen Abstecher nach Westminster Abbey machte, um Kerzen der Dankbarkeit für die Schwäche der Opposition zu entzünden? Nicht einmal beim so wichtigen Brexit-Gesetz, das am Tag nach dem EU-Austritt 2019 etwa 12 000 Brüsseler Bestimmungen ohne große parlamentarische Debatte in nationales britisches Recht überführen soll, schafft es Labour-Chef Corbyn, die Reihen seiner Truppen im Unterhaus geschlossen zu halten. Sieben Abgeordnete stimmten mit den Konservativen. Immer mehr prominente Ex-Politiker warnen die Regierung vor einem Sturz von der Klippe, wenn sie keine Kursänderung vornimmt. Doch May taktiert weiter.

Derweil spüren die britischen Konsumenten in den Geschäften die Vorboten des heranstürmenden Hurrikans mit Namen Brexit immer deutlicher: Ob Schuhe, Taschen oder andere importierte Ware – die Preise steigen und steigen: allein im August im Vergleich zum Vormonat um 2,9 Prozent. Die Bank of England steckt in der Bredouille: Versucht sie das fallende Pfund mit höheren Leitzinsen zu stabilisieren, wäre das Gift für die Wirtschaft. Britannien 2017 – ein Mahnmal für die Folgen, wenn Populismus über den Verstand siegt.

Alexander Weber

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