Nachwuchs für die Industrienation

von Redaktion

Laut OECD-Studie führt die Bundesrepublik bei MINT-Absolventen. Doch es gibt auch Kritik am Bildungsstandort

Berlin – Deutschland als Industrienation steht vor Herausforderungen. Nachwuchs für die Branche bringt es aber so zahlreich hervor wie kein anderer Industriestaat. Die Ausbildung jagt dabei dem Rekordhoch hinterher, auf dem der Fachkräftemangel in mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufen liegt.

Die aktuelle Bildungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verheißt also zunächst Gutes. Der jährliche Bericht über die 35 Mitgliedsstaaten zeigte am Dienstag nämlich: Deutschland nimmt derzeit Spitzenplätze ein bei den Studentenzahlen in den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In diesen Fächern machen 37 Prozent der Studenten einen Abschluss. Deutschland toppt damit alle Vergleichsländer.

Zudem entscheiden sich der Studie zufolge 40 Prozent derer, die in Deutschland ein Studium oder eine vergleichbare Ausbildung beginnen, für ein MINT-Fach. Auch hier überholt die Republik die anderen Staaten. Der OECD-Schnitt liegt bei 27 Prozent.

Diese Ergebnisse sind für Deutschland gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in diesem Bereich wichtig. Dort fehlten den Unternehmen zuletzt, im April, bundesweit rund 240 000 Arbeitskräfte. Das waren 38,6 Prozent mehr als im Vorjahr, wie im MINT-Report des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft steht. Der höchste Stand seit Beginn der Erhebung 2011.

Aus den Hochschulen drängt offenbar Nachschub. Doch für die Zukunft müssen weiter genügend Kräfte nachwachsen. Deshalb statten derzeit zum Beispiel die Stiftung Lesen und die Klaus Tschira Stiftung bundesweit nach und nach alle rund 50 000 Kitas mit einem Kindergeschichten-Set für naturwissenschaftliche Fächer aus.

Zu den Herausforderungen Deutschlands zählt auch: Der digitale Wandel verlangt neue Technikbildung. Die deutschen Schüler aber landen mit ihren digitalen Kompetenzen laut MINT Nachwuchsbarometer 2017 auf dem sechsten Platz unter 18 Ländern. Oberes Mittelfeld, ja. Weltmeister nein. Auch die OECD attestiert Deutschland nicht nur Spitzenzahlen, sondern auch Nachholbedarf in der Bildung. So sind Frauen im OECD-Vergleich noch immer unterrepräsentiert bei Studienanfängern im Ingenieurswesen. Erheblich aufzuholen hat Deutschland laut OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher bei individueller Förderung von Grundschülern, Weiterbildung von Erwachsenen und sozialer Mobilität. Ohne Akademiker-Eltern ist es nicht leicht, einen wirtschaftlich besonders einträglichen Abschluss zu bekommen. Der Anteil dieser Absolventen stagniert seit Jahren unter 15 Prozent. Mit Hochschulabschluss liegt der Einkommensvorteil im Schnitt bei 66 Prozent.

Die Erwerbsaussichten Geringqualifizierter verschlechtern sich dabei. Auch in Deutschland verfügen 13 Prozent der 25- bis 34-Jährigen über keine berufliche Qualifikation oder Abitur: Weniger als im OECD-Schnitt, aber deutlich mehr als in anderen Ländern mit dualer Berufsbildung wie in der Schweiz. Auch kritisch für Deutschland: Die Bildungsausgaben liegen mit 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weiter deutlich unter dem OECD-Mittel von 5,2 Prozent. An den Hochschulen halten die Ausgaben nicht Schritt mit der gestiegenen Studenten-Zahl. sophie rohrmeier

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