Lange dümpelte der Prozess gegen den NSU vor sich hin. Anträge, Ablehnungsgesuche, Ablenkungsmanöver. Nach mehr als vier Jahren begann so mancher, am Biss des deutschen Rechtsstaats zu zweifeln. Doch mit Gedümpel und Zweifeln dürften es nun vorbei sein. Die letzte Etappe ist mit Bravour eingeläutet worden. Die Bundesanwaltschaft hat alle Erkenntnisse und Beweise in wenigen Tagen zusammengefasst und die Strafforderungen formuliert.
Dabei hat Bundesanwalt Herbert Diemer hart hingelangt. Für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe hat er alles gefordert, was das Strafgesetzbuch hergibt: lebenslange Haft, besondere Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Auf Letzteres pochte er sogar, obwohl es verfassungsrechtlich problematisch ist. Doch es zeigt: Der Rechtsstaat zeigt Zähne.
Äußerlich hat sich Zschäpe wie immer nichts anmerken lassen. Obwohl: Sie wirkte noch ein bisschen regungsloser als sonst. Die harten Forderungen dürften auch an ihr nicht spurlos vorüber gegangen sein. An der Nazi-Braut, die dachte, sie käme mit allem durch. An der Sphinx, die glaubte, bei eisernem Schweigen vor Gericht könne ihr keiner etwas. Man kann ihr eben doch. Sie muss sich nun darauf einstellen, dass sie bis zum letzten Tag ihres Lebens hinter Gittern sitzen wird.
Nina Gut
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