Debatte über zweites TV-Duell

Überbewertet

von Redaktion

Man kann wundersam finden, wie der glücklose SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nun Angela Merkel in ein zweites TV-Duell drängen will. Respekt dafür, dass Schulz kämpft, statt wie sein Vorgänger 2013 die Mittelfinger zu recken. Doch: Schulz und Merkel könnten auch noch ein, zwei, fünf „Duelle“ führen, ohne dass sich die politische Landschaft groß ändern würde. Das liegt an ihrer inhaltlichen Nähe. Und daran, dass sie die falschen Themen setzen (Schulz mit sozialer Ungerechtigkeit) oder beschweigen (Merkel und die Flüchtlinge).

Ohnehin hat sich dieser Wahlkampf von alten Formaten entfernt. Er wird nicht mit Plakaten und Standardreden auf Marktplätzen entschieden, eben auch nicht in überformalisierten TV-Duellen. Es gibt nicht mal die dominante Internet-Schlacht, die uns weise Forscher vorhersagten. Stattdessen prägen zwei analoge Kanäle den Urnengang sehr stark: der ausgeweitete Haustürwahlkampf, wo die Politik physisch dem Bürger begegnet. Und der Dialog im Freundeskreis und am Stammtisch, wo die Menschen im geschützten Raum Sorgen austauschen. Hinterfragen, welchen Inhalten sie trauen. Mag der Wahlkampf 2017 auch matt wirken – der Wahlabend ist, weil bei der Koalitionsbildung halbe Prozente entscheiden dürften, auch für Politik-Profis unberechenbar.

Christian Deutschländer

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