Der ewige Überlebende

von Redaktion

Trotz unzähliger Skandale will Silvio Berlusconi bei den nächsten Wahlen in Italien wieder der starke Mann sein

Rom – Silvio Berlusconi bringt sich schon mal auf der Autobahnraststätte in Wahlkampf-Form. Zwischen Schokolade, Gummibärchen und Salami posierte der 80-Jährige unlängst für sein hauseigenes Klatschmagazin „Chi“. Nach einem Gymnastikprogramm und einer Obst- und Gemüse-Diät sei er nun „fit für den neuen Wahlkampf“, schreibt die Zeitschrift zu den Bildern des Multimillionärs.

Sechs Jahre nach dem Ende seiner skandalgeprägten Amtszeiten als Ministerpräsident plant Berlusconi eine Rückkehr bei den kommenden Wahlen. „Seine Überlebenskünste sind phänomenal, ich würde sagen, es gibt keinen Politiker wie ihn in Italien“, sagte Wolfango Piccoli vom „Think Tank“ Teneo.

Zwar kann Berlusconi nicht für das Amt des Regierungschefs kandidieren: Nach einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung darf er bis 2019 keine politischen Ämter halten – außer er kommt vorher mit einer Klage vor dem Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg durch. Gleichwohl sieht sich der Chef der konservativen Partei Forza Italia als Strippenzieher für die Regierung. „Ich rieche den Duft des Sieges bei den nächsten Wahlen“, schrieb er im Internet. „Immer mehr Italiener bitten mich (…), die Dinge zu ändern, die in unserem Land nicht funktionieren.“

Berlusconi gibt sich neuerdings als seriöser Staatsmann. Haben die Italiener ihm seine Eskapaden verziehen? Haben sie vergessen, dass auch er es war, der Italien fast in die Staatskrise geführt hatte? Optimistisch ist der Mailänder Medien-Millionär vor allem nach erfolgreichen Kommunalwahlen für die rechts-konservativen Parteien. Im Frühjahr müssen spätestens die Parlamentswahlen stattfinden. Bisher ist die Lage verworren: Einen Termin für die Wahl gibt es nicht. Ebenso wenig ein Wahlgesetz.

Sowohl ein Pakt mit den derzeit regierenden Sozialdemokraten als auch mit ausländerfeindlichen Parteien wie der Lega Nord oder den Fratelli d’Italia ist im Gespräch. Berlusconis Forza kommt in Umfragen auf 14 Prozent. Angesichts der Flüchtlingskrise könnte er bei einer Allianz mit der Lega Nord mit einer harten Linie gegen Migranten bei den Wählern am rechten Rand punkten. „Heute ist er die Schlüsselfigur, die verhindern kann, dass die Populisten in Italien die Macht ergreifen“, sagt EU-Parlamentspräsident und Berlusconi-Freund Antonio Tajani. „Berlusconi garantiert Stabilität, wie er es immer getan hat.“ A. Reuther/A. Armellini

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