Wenn Donald Trump morgen erstmals vor der UN-Generalversammlung das Wort ergreift, wird dieser Auftritt des US-Präsidenten von zwei Kernfragen begleitet. Die erste: Kann Trump mit dieser Ansprache sein weltweit ramponiertes Ansehen verbessern und klare, von Widersprüchen freie Positionen präsentieren? Die zweite: Wie ernst meint es das Weiße Haus wirklich mit seinen Warnungen an Pjöngjang, in der Nordkorea-Krise lägen auch militärische Optionen auf dem Tisch? Obwohl Trump immer für Überraschungen gut ist, lassen sich jetzt schon beide Fragen recht präzise beantworten.
Eine Imageverbesserung wird Trump durch sein Debüt in New York sicher nicht erreichen. Weltweit ist er in so viele Fettnäpfchen getreten, die auch intellektuelle Defizite und mangelndes außenpolitisches Verständnis offenbaren, dass kaum Boden gutzumachen ist. Und Nordkorea? Nachdem Trumps Annäherungsversuche an Peking kaum gefruchtet haben, gibt es nun fast täglich Muskelspiele in Washington. Doch einen Präventivschlag der USA werden Trump und seine Generäle nicht riskieren. Die Risiken sind zu groß. Aber Trump wird dennoch das tun, was er am liebsten tut: Mit markigen Worten drohen.
Friedemann Diederichs
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