Donald Trumps Drohungen gegen Nordkorea, Deutschland vor der Wahl, Bundesliga aktuell, der Dax, die Frage, wie man den Rasen winterfest macht – was sich liest wie der Internetauftritt einer Zeitung, ist die Startseite der ARD. Nun kommt, wer eine ständig aktualisierte „Tagesschau“ im Programm hat, im Netz schwerlich ohne aktuelle Nachrichten in schriftlicher Form aus.
Dennoch ist zu fragen, wo der von der Allgemeinheit finanzierte Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen endet. Denn wer hier zu lesen beginnt, findet immer weitere Links zu Texten statt zu Fernsehbeiträgen. Verlegerverbandschef Mathias Döpfner hat Recht, wenn er „die Flut textbasierter Gratisangebote“ der Sender als „Wettbewerbsverzerrung“ geißelt. Denn während sich die Zeitungen, gedruckt wie online verbreitet, ausschließlich privat finanzieren, kassieren ARD und ZDF (das, wie man fairerweise sagen muss, im Netz zurückhaltender ist) Rundfunkbeiträge, und das nicht zu knapp.
Man trifft landauf, landab wohl kaum einen Intendanten, der nicht gern noch mehr Geld hätte. Wie wär’s, wenn sich die Sender stattdessen auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken, nämlich Qualitätsfernsehen und -radio zu produzieren, und dafür die Kosten für die Pflege der ausufernden Netzpräsenzen sparen? Das würde dem Wettbewerb guttun. Dem der Medienprodukte. Und dem der Meinungen.
Rudolf Ogiermann
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