Das Ringen um die Topjobs: Wer am Sonntag nervös sein muss

von Redaktion

Einige Spitzenpolitiker werden nervös auf die Hochrechnungen starren: Manches Alphatier fürchtet einen unfreiwilligen Abgang. Andere laufen sich warm.

Sigmar Gabriel (58, SPD): Der Außenminister und Vize-Kanzler will seine Jobs behalten. Gabriel ist plötzlich populär. Er stützt Martin Schulz, um selbst im Spiel zu bleiben. Bei einem Wechsel in die Opposition dürften Gabriels Tage gezählt sein – zu unterschätzen ist er jedoch nie.

Andrea Nahles (47, SPD): Bei einem miesen Ergebnis für die SPD könnte Nahles die „alten Gringos“ zum Abgang drängen. Die Parteilinke könnte als Fraktionschefin Inhalte und Strukturen bis 2021 erneuern. In einer Neuauflage der Großen Koalition würde sie gern Arbeitsministerin bleiben.

Wolfgang Schäuble (75, CDU): Eine Jobgarantie hat der Finanzminister nicht. FDP und SPD dürften Anspruch erheben. Abschieben kann Merkel ihren erfahrensten Minister auch nicht – er wird als „Nebenkanzler“ mit konservativen Werten verehrt. Schäuble könnte auch Außenminister. Das Amt als Bundestagspräsident dürfte ihm zu wenig sein.

Ursula von der Leyen (CDU, 58): Ihr Umgang beim Bundeswehrskandal hat das Macherin-Image der Verteidigungsministerin angekratzt. In der Unionsfraktion nie geliebt, bleibt sie eine große Nummer, solange Merkel zu ihr hält. Intern ist zu hören, das Thema Umwelt könnte auf sie zulaufen.

Thomas de Maizière (63, CDU): In der Flüchtlingskrise geriet der merkeltreue Innenminister unter Druck. Konkurrenz macht ihm Joachim Herrmann (CSU). De Maizière könnte das Finanzministerium reizen, das er schon mal in Sachsen führte. Oder es geht zurück ins Kanzleramt.

Cem Özdemir (51, Grüne): Parteichef will er nicht bleiben, eher Außenminister werden. Sollten in einer Jamaika-Koalition aber nur zwei Ministerien an die Grünen gehen, könnte er kaum mit Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt ins Kabinett – der linke Parteiflügel würde einen Posten beanspruchen. Bliebe der Fraktionsvorsitz.

Katrin Göring-Eckardt (51, Grüne): In Kombination mit dem Agrar- und Verkehrsministerium, das Anton Hofreiter führen könnte, wäre sie Kandidat für das Superministerium Verbraucher-, Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung. Den Fraktionsvorsitz kann sie nur bei einem guten Wahlergebnis halten.

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