Die Linke

„Der Schock sitzt tiefer als die Freude“

von Redaktion

München – Klaus Ernst steht im Dunkeln, denn auf der Bühne hat niemand das Licht angemacht und der Hausmeister ist nicht in Sicht. „Macht ja nix“, sagt der bayerische Spitzenkandidat der Linken ins Mikro. „Die Lage insgesamt ist ja ein bisschen dunkel.“

So pessimistisch? Dabei ist die Stimmung im Münchner Eine-Welt-Haus gar nicht mal schlecht. Zwar hat die Partei ihr Ziel, Oppositionsführer zu bleiben, klar verfehlt und rutscht möglicherweise zur schwächsten Partei im Bundestag ab. Aber sie hat zugelegt, im Bund leicht auf rund neun Prozent, in Bayern deutlich. Hier sind es laut einer frühen Hochrechnung des „BR“ 6,6 Prozent, mehr als drei Mal so viel wie 2013. Ernst sagt – das Licht ist jetzt an: „Damit habe ich nicht gerechnet.“

Trotzdem haben die bröseligen Glückskekse, die auf den Stehtischen liegen, aus Sicht der Partei nur halbe Arbeit geleistet. Als die Prognose für die AfD auf der Leinwand aufploppt, geht ein Raunen durch den Raum, einigen Gästen rutschen nicht zitierfähige Worte raus. „Der Schock sitzt tiefer als die Freude“, sagt Ernst. Selbst in Ostdeutschland, wo die Linke traditionell stark ist, liegt sie klar hinter der AfD.

Auch in Berlin trübt das die Stimmung. Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch sagt am Abend, man müsse die demokratische Entscheidung akzeptieren, spricht von einer „besonderen Herausforderung“ und kündigt eine harte Auseinandersetzung mit der AfD an. Co-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht glaubt, dass man sich im Wahlkampf dem Flüchtlingsthema stärker hätte widmen müssen. Stattdessen habe ihre Partei „vielleicht bestimmte Probleme ausgeklammert“, aus Angst, Ressentiments zu schüren.

Ganz unzufrieden wirken die Linken trotz allem nicht. In München hoffen sie, dass sie das Bayern-Ergebnis bis zur Landtagswahl im nächsten Jahr halten können – oder ausbauen. Es wäre das erste Mal, dass die Partei in den Landtag einzieht. Marcus Mäckler

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