Berlin – Exakt 709 Abgeordnete werden dem neuen Bundestag angehören. Das ist der größte Bundestag in der Geschichte der Bundesrepublik. Der bisherige Rekord lag bei 672 Mandaten im Jahr 1994. Es gilt auch als größtes Parlament westlicher Demokratien. Zuletzt waren 631 Abgeordnete im Bundestag vertreten.
-Warum erhöht sich die Zahl der Abgeordneten?
Dies ist Folge des Wahlrechts von 2013 – durch Überhang- und Ausgleichsmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erringt, als ihr nach ihrem Zweitstimmen-Anteil eigentlich zustehen. Dies trifft diesmal vor allem bei der CSU zu. Diese ungleiche Chancenverteilung wird durch Ausgleichsmandate kompensiert. Das Problem war bekannt, eine Wahlrechtsreform aber scheiterte.
-Reicht überhaupt der Platz im Plenarsaal?
Ja. Da ist durchaus noch Luft. Schließlich fanden dort auch schon 1260 Wahlleute Platz – zuletzt, als die Bundesversammlung im Februar den Bundespräsidenten wählte.
-Geht es gleich mit den Umbauarbeiten los?
Nein. Auf das Startsignal für den Umbau des Plenarsaals, der Büros und der Fraktionsebene müssen die Handwerker noch warten. „Die Diskussionen darüber, wer wo sitzt, werden in den Fraktionen geführt“, heißt es in der Bundestagsverwaltung. Kurz vor der konstituierenden Sitzung des Bundestags werde der Umbau beginnen. Die ist laut Grundgesetz spätestens am 30. Tag nach der Wahl, also spätestens am 24. Oktober.
-Wie könnte die neue Sitzordnung aussehen?
Da gibt es noch Streit. Würde die Fraktion der rechtspopulistischen AfD vom Rednerpult aus gesehen am rechten Rand des Plenarsaals platziert – neben Union und FDP –, würde sie direkt neben der Regierungsbank sitzen. Am linken Rand würde sie der Linksfraktion deren symbolträchtigen Platz streitig machen. Und der Platz in der Mitte wiederum dürfte unter anderem der SPD nicht passen.
-Und wo werden die Fraktionen untergebracht?
Auch dies müssen die Fraktionen unter sich klären. Bisher reichte dafür die Fraktionsebene im denkmalgeschützten Reichstagsgebäude. In jeder der vier Ecken unter den vier Türmen kam eine Fraktion unter. Jetzt muss auch Platz für AfD und FDP gefunden werden – notfalls sogar für zwei konkurrierende AfD-Gruppierungen. Es kam schon einmal vor, dass sich Linke und Grüne einen Fraktionssaal teilen mussten. Aber diesmal ist die Sache wohl komplizierter. Die vier bisher schon im Bundestag vertretenen Fraktionen wollen schon am heutigen Dienstag zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen – und die künftigen Fraktionsspitzen für die kommenden vier Jahre wählen.
-Erhalten die neuen Abgeordneten von FDP und AfD sofort Zugang?
Sowohl FDP als auch AfD haben mit der Bundestagsverwaltung – bereits knapp zwei Wochen vor dem Wahlsonntag – Vorgespräche geführt, um „technische und rechtliche Fragen“ zu klären. Etwa die Tatsache, dass die „Neuen“ noch keine Bundestags-Ausweise haben. Für sie sollen vorerst Namenslisten an Eingängen der Bundestagsgebäude liegen. Die „Neuen“ erhalten auch ein „Starterpaket“. Das enthält Informationen zur Beschäftigung von Mitarbeitern, zu Dienstreisen, Fahrdienstleistungen, Nutzungsbedingungen der Bahn Card oder auch den Sitzungskalender. Elena MEtz/ André Stahl