Neuaufstellung der SPD

Die FDP als Vorbild

von Redaktion

Die Alarmglocken aus dem Willy-Brandt-Haus sind so laut, eigentlich müsste man sie im ganzen Land hören. Das verheerende Ergebnis führt die SPD in eine Art Existenzangst, wie man sie bei deutschen Volksparteien bislang für ausgeschlossen hielt. Selbst im sozialdemokratisch geprägten München reichte es nur noch zu 16 Prozent. Inzwischen steht die Partei vor der Frage, wie sie dem Schicksal anderer Sozialisten in Europa entgehen kann.

Der Gang in die Opposition ist verständlich, er folgt dem reinen Selbsterhaltungstrieb. Aber es wird ihnen nicht helfen, die Partei einfach wieder „nach links“ zu rücken, wie viele der langgedienten Funktionäre glauben. Die SPD hat sich seit der Agenda-Politik viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Doch die traditionellen Antworten zu sozialen Fragen erreichen höchstens noch ältere Wähler, die sie zugleich aber mit ihrer Einwanderungspolitik verschreckte. Die jüngere, gebildete Mittelschicht der Städte, dank der sie 1998 die Kohl-Regierung stürzte, hat die SPD verloren. Zum einen weil Angela Merkel viele gesellschaftspolitische Themen abräumte, zum anderen aber, weil die Genossen mit der Generation Internet fremdeln.

Doch es gibt ein Fundament, auf dem die SPD aufbauen kann. Obwohl sie manchmal furchtbar altbacken wirkt, sind zuletzt tausende, meist junge Menschen eingetreten. Deren Schwung und Input muss die Partei dringend mitnehmen. Wie man sich neu erfindet, ohne seine Inhalte aufzugeben, hat die FDP eben vorgemacht.

Mike Schier

Sie erreichen den Autor unter

Mike.Schier@ovb.net

Artikel 1 von 11