München – Er wirkte fast ein bisschen benommen da oben auf der Bühne. „Danke, danke, danke“, gluckste Landessprecher Ates Gürpinar seinen Parteifreuden am Sonntag zu. Für den Wahlkampf, für das verfrühte Geburtstagsgeschenk. 6,1 Prozent, das ist nur knapp die Hälfte dessen, was die AfD in Bayern erreicht hat. Aber für die Linkspartei ist es trotzdem eine kleine Sensation.
Mit Klaus Ernst, Nicole Gohlke, Susanne Ferschl, Harald Weinberg, Simone Barrientos, Andreas Wagner und Eva Schreiber sitzen künftig sieben bayerische Linke im Bundestag, drei mehr als bisher. Für den kleinen Landesverband mit gut 2800 Mitgliedern ist das eine echter Erfolg, stärker sind nur die Genossen in Nordrhein-Westfalen mit elf Abgeordneten. Deshalb keimt nun die Hoffnung, dass man auch bei der bayerischen Landtagswahl 2018 die fünf Prozent knacken könnte. Landesgeschäftsführer Max Steininger sagt, die Partei sei euphorisiert: „Das Ergebnis ist ein riesen Rückenwind.“
Beim Parteitag im November wollen die Genossen über ein Wahlprogramm diskutieren. Ein Knackpunkt wird der Umgang mit der AfD im Freistaat sein. Denn wie im Bund konkurrieren beide um unzufriedene Protestwähler. Wobei Steininger glaubt, dass seine Partei auch vom Erfolg der Rechtspopulisten profitiert hat. „Viele hatten Angst vor einem Rechtsruck“, sagt er. Ein Kreuzchen bei Links war Ausdruck dieser Angst.
Allzu sehr sollten sie sich ihrer Euphorie aber nicht hingeben. Bei der Bundestagswahl 2009 fuhren sie bayernweit mit 6,5 Prozent ein noch besseres Ergebnis ein als diesmal. Auch damals war die Hoffnung groß, ins Maximilianeum einzuziehen. Bei der Landtagswahl vier Jahre später ging’s dann steil bergab. Man landete bei enttäuschenden 2,1 Prozent. „Diesmal sind wir vorgewarnt“, sagt Steininger. „Aber wir tun alles dafür, es zu schaffen.“
Zumindest ein paar Indizien sprechen dafür, dass die Partei den Schwung ins nächste Jahr wird mitnehmen können. Die Mitgliederzahl steigt, allein 2017 sind bislang mehr als 600 hinzugekommen. Besonders unter Erstwählern ist die Resonanz gut. Überhaupt, sagt Steininger, habe sich seit dem Wahlerfolg 2009 einiges verändert. Damals beflügelte eine Art Gründungseuphorie die noch junge Partei. Diesmal sei das anders. „Seit Sonntag höre ich oft: ‚Jetzt geht’s erst richtig los‘.“ Marcus Mäckler