Madrid/Barcelona – Sechs Tage vor dem umstrittenen Referendum in Katalonien über die Loslösung von Spanien ist dem Chef der separatistischen Regionalregierung in Barcelona erstmals konkret Haft angedroht worden. Die Möglichkeit, dass die Justiz die Festnahme des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont auch wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder anordne, sei „gegeben“, sagte der spanische Generalstaatsanwalt José Manuel Maza gestern.
Puigdemont bekräftigte dabei, die für den 1. Oktober ausgerufene Befragung finde trotz Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid statt. „Ich bestätige, dass es Urnen und Wahlzettel geben wird. Und noch wichtiger für die Abhaltung eines Referendums: Es wird Wähler geben“, sagte er. Im französischen Radio räumte er ein, er könne nicht sagen, ob eine Mehrheit der Katalanen für die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens sei. Aber er sei sicher, dass 80 Prozent dafür seien, abzustimmen.
Ministerpräsident Mariano Rajoy versicherte mehrfach, das Referendum werde nicht stattfinden. Mit vielen Aktionen versuchen Madrid und die Justiz, die Befragung zu verhindern. Am Montag führte die staatliche Polizeieinheit Guardia Civil laut Medien Durchsuchungen in rund 30 der mehr als 700 Gemeinden Kataloniens durch, die das Referendum unterstützen.
Bei dutzenden von Razzien hatte die Guardia Civil vorige Woche bereits 14 separatistische Politiker und Beamte in Gewahrsam genommen. Zudem waren rund zehn Millionen Wahlzettel und 1,5 Millionen Wahlplakate beschlagnahmt worden. Die katalanische Polizei wurde auch vorläufig dem Innenministerium in Madrid unterstellt. Aus Protest dagegen gehen seit Tagen tausende Menschen in Katalonien auf die Straßen.