München – Keine CSU-Listenkandidaten im Bundestag, kein Bernd Fabritius. Der Präsident des Bunds der Vertriebenen (BdV) verpasste wie Joachim Herrmann den Einzug ins Parlament. Verliert er nun auch sein Amt im Verband? Dann stünden die Vertriebenen vor einer Richtungsentscheidung.
Fabritius, der vier Jahre für die CSU im Bundestag saß, hat jetzt zwei Probleme. Erstens muss er ohne das Parlamentsmandat einen anderen Weg finden, um ein Netzwerk, Zeit und Geld zu haben für das Ehrenamt als BdV-Präsident. Zweitens könnten jetzt Hardliner im Verband, die teils der AfD nahestehen, ihre Chance wittern, ihn – den Liberalen – zu stürzen.
Der 52-Jährige schreibt sich zu, den Verband in die gesellschaftliche Mitte geführt und gen Europa geöffnet zu haben. Er gilt als der Versöhnliche. Allerdings wandten sich zuletzt viele Vertriebene Rechtspopulisten zu. Ex-Funktionäre machten sogar Wahlkampf für die AfD: Fabritius’ Vorgängerin Erika Steinbach und der frühere BdV-Vize Willhelm von Gottberg, der nun für die AfD im Bundestag sitzt.
Dabei verlieren die Vertriebenen neben Fabritius den zweiten ihrer Vertreter in Berlin: den sächsischen CDUler Klaus Brähmig, bisher Fraktionssprecher der Arbeitsgruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten. Ihn löste AfD-Parteichefin Frauke Petry ab. „Das Wahlergebnis ist ein absoluter Kahlschlag, insbesondere für die Vertretung der Vertriebenen im Bundestag“, sagte Fabritius dieser Zeitung. „Umso wichtiger ist es für mich, meine Arbeit als Präsident mit voller Kraft und ungeschmälert in allen Bereichen der Gesellschaft fortzusetzen.“ Er wolle sich den Hardlinern mit aller Macht entgegensetzen. „Dass aus unserem Personenkreis so viele der AfD nachgelaufen sind, also einer populistischen Rattenfängerei, ist ein deutliches Signal dafür, dass wir nun kämpfen müssen.“
Sein Ehrenamt für den Verband wird er aber nur weiter ausüben können, wenn er in Berlin eine neue Aufgabe findet, in der er sich vernetzen kann. Sonst wird er zurück nach München gehen und dort die Anwaltskanzlei wieder aufbauen, die er vor drei Jahren auflöste. Von dort aus als Anwalt und zugleich als BdV-Präsident zu arbeiten, wird kaum gehen. Mögliche Posten in Berlin gäbe es.
So verlässt Maria Böhmer (CDU) den Bundestag, damit wird das Amt des Integrationsbeauftragten der Bundesregierung frei. Ebenso Hartmut Koschyk (CSU), der bisherige Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Für beides wäre kein Mandat notwendig.
Muss Fabritius als Chef des BdV jedoch gehen, könnten die Hardliner gewinnen. „Natürlich habe ich Bedenken“, sagt der CSU-Politiker, „dass sich andere Strömungen durchsetzen, wenn ich den proeuropäischen Kurs nicht halten kann.“ Es bleibt ihm, auf die Überparteilichkeit seines Verbands zu setzen – und darauf, dass die Unionsparteien die Vertriebenen berücksichtigen. Sophie Rohrmeier