Schröder ist Aufsichtsratschef von Rosneft

Putins bester Mann

von Redaktion

Anders als seine Berliner Genossen, die nach der Bundestagswahl ihre Regierungsposten los sind, hat Gerhard Schröder seit gestern einen neuen Job. Einen ziemlich lukrativen sogar: Als neuer Aufsichtsratschef von Putins wichtigstem Staatskonzern, dem Energieriesen Rosneft, mit dessen Hilfe der Kreml die russische Wirtschaft lenkt, verdient Schröder über den Daumen gepeilt 600 000 Dollar im Jahr. Von nichts und niemandem, auch nicht von seiner erschrockenen Partei, hat sich der Ex-Kanzler davon abbringen lassen. „Rein privat“ sei sein Engagement, behauptet er. Genauso „privat“ also wie seine soeben im russischen TV ausführlich wiedergegebene Aussage, kein russischer Präsident werde die Krim jemals wieder hergeben? Als ob ein Kanzler nach dem Ausscheiden aus dem Amt irgendein Nullachtfünfzehn-Angestellter wäre.

Schröder lügt sich und seinen Landsleuten in die Tasche. Dass sich ein deutscher Ex-Regierungschef in den Dienst einer ausländischen Macht stellt, ist ein einzigartiger Bruch aller Regeln des politischen Anstands. Schröder ist Putins wichtigster Lobbyist, der Mann, der dem Kremlchef die Türen zur deutschen Wirtschaft und in die Politik öffnen und dessen Image aufpolieren soll. Dass er dabei sein eigenes zerstört, ist dem Vater der Agenda 2010 egal. Seiner Partei gibt Schröder noch immer gerne Ratschläge. Einer lautete jetzt, die SPD solle die Tür für eine Fortsetzung der Großen Koalition nicht voreilig zuschlagen. Man darf darüber nachdenken, wer da sprach: der Privatmann? Der ehemalige SPD-Parteivorsitzende? Oder Putins Handlanger? Klar ist jedenfalls: In der Opposition ist Schröder für seinen Freund, den lupenreinen Demokraten in Moskau, nur halb so viel wert wie als Einflüsterer der Regierungspartei SPD.

Georg Anastasiadis

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