An Sorgen und mahnenden Stimmen hat es diesem Oktoberfest wahrlich nicht gefehlt. Die einen befürchteten, das politische, vom Wahlkampf geprägte Gezänk um den Bierpreis könne die Stimmung trüben. Die anderen verwiesen – zumal nach den Anschlägen von London und Barcelona – auf Terrorängste und unkten, die Gäste aus dem Ausland würden ausbleiben. Und das Wetter der ersten Tage schien wieder Anderen Vorbote eines finanziellen Fiaskos zu sein. Man muss dankbar sein, dass sie sich alle geirrt haben.
Gewiss: Als erste „große Wiesn“ mit Oider Wiesn und der Verlängerung um zwei Tage hätte das berühmteste Volksfest der Welt noch stattlichere Zahlen liefern können. Doch arm geworden ist wohl keiner der Akteure, und dem Publikum war’s recht: Aus der von so vielen großen und kleinen Sorgen geprägten Gemengelage hat sich eine heitere und entspannte Wiesn entwickelt. So haben es viele Besucher empfunden, und so klingt es aus der Bilanz der Sicherheitskräfte. Der große Hype um die Wiesn, auf der man zeitweise nur noch C-Promis in schriller Verkleidung versammelt wähnte, scheint vorbei.
Das Oktoberfest ist drauf und dran, wieder ein klein wenig das zu werden, was es einmal war: Ein Fest der Münchner, zu dem gern und herzlich auch Gäste aus aller Welt eingeladen sind. Dass es – nicht zum ersten Mal – keinen klaren Wiesn-Hit gab, ist ein Indiz dafür, dass das traditionsreiche Fest sich den Fängen einer globalen Spaßindustrie entwunden hat. Die Münchner und ihre Gäste wird’s freuen, und die Wirte und Schausteller sollten es ohne allzu großes Murren aushalten.
Peter T. Schmidt
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