Cuxhaven – Der stürmische Applaus tut ihm sichtbar gut. Als SPD-Chef Martin Schulz am späten Mittwochabend in Cuxhaven vor rund 700 Zuhörern die Einigkeit der SPD beschwört, erntet er große Zustimmung. Seine kämpferische Rede, in der er Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit und Transparenz als Stärken seiner Partei betont, wird mehrfach von Beifall unterbrochen. Die Solidarität tue ihm gut, sagt Schulz. „Ich habe die SPD selten so geschlossen gesehen.“ Und er berichtet davon, wie sehr ihm das schlechte Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl zu schaffen machte. „Ich habe alles gegeben“, sagt er. „Und wenn du dann so ein Wahlergebnis einfährst, dann bist du erstmal down.“
Bei dem Wahlkampfauftritt rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen wird Schulz als „Unterstützer“ für Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angekündigt. Weil kämpft um den Machterhalt. Schulz soll bei zwei Auftritten dabei sein. Angela Merkel wird fünf Mal für den CDU-Herausforderer Bernd Althusmann im Einsatz sein. Moment mal: Seit der Katastrophe bei der Bundestagswahl behaupten doch alle SPD-Spitzenleute, Schulz bleibe an der Parteispitze, weil er weiter „Sozis Liebling“ sei?
„Die Basis hängt an Martin Schulz“, sagt auch Weil. Zwischen Cuxhaven und Göttingen, will er es aber aus eigener Kraft schaffen, seinen Ministerpräsidentenjob zu verteidigen. Geht Niedersachsen am 15. Oktober verloren, ist dann Schulz’ Autorität in der Partei endgültig dahin?
Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Bundestagswahl. Die Liste der Pleiten ist lang. Der gescheiterte Kanzlerkandidat muss sich nun auch mit den Folgen der „Spiegel“-Reportage herumschlagen, in der er als emotionaler Verlierer („Die Leute finden mich peinlich, die lachen doch über mich“) beschrieben wird. Schlau war es nicht, sich in dem oft gnadenlosen Politik- und Medienbetrieb so verletzlich zu zeigen. Vielen SPD-Mitgliedern könnte aber imponieren, mit welcher Leidenschaft Schulz bis zum Schluss unterwegs war. Aber selbst ein Erfolg in Niedersachsen dürfte die interne Debatte, ob er der Richtige für den Neuanfang ist, nicht verstummen lassen. T. Braune, H. Hoffmann