Ein Skandal, natürlich. Die Kostensteigerung fast ums Doppelte, die ewige Verzögerung des Eröffnungstermins – aus der Affäre um die Berliner Staatsoper lässt sich Ähnliches lernen wie aus dem Fall Elbphilharmonie: dass die öffentliche Verwaltung mit der Baukontrolle schnell überfordert ist und dass es nichts bringt, den Finanzplan herunterzurechnen und Mandatsträgern eine unrealistische Billigversion vorzusetzen, nur damit sie zustimmen.
Wenigstens, und das hat die Staatsoper dem Flughafen BER voraus, läuft der Laden, auch wenn noch nachgebessert werden muss. Doch die Staatsoper ist auch für anderes symptomatisch. Wenige Schritte entfernt ist ein Parallelfall zu beobachten. Dort wird mit gewaltigem Aufwand am Popanz Stadtschloss gebaut, der doch immer nur architektonische Promenadenmischung war.
Ähnliches nun beim Opernhaus. Nicht friderizianischer Barock erstrahlt dort im neuen Glanz, sondern der DDR-Abklatsch davon. Dabei haben andere Städte vorgeführt, wie sich Altes fruchtbar mit Avanciertem verbinden lässt. Auch darunter leidet also Berlins Kulturpolitik. Statt eigenes zu reflektieren und Zeichen eines wirklich neuen Deutschland zu setzen, verschanzt man sich lieber hinter falsch verstandenem Historismus.
Markus Thiel
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