Knapp zwei Wochen sind seit der Bundestagswahl vergangen. Und noch immer schwanken die hart abgestraften Volksparteien zwischen Ratlosigkeit und einem Generalverdacht gegen ihre (einstigen) Wähler, die in großer Zahl zur AfD emigrierten. „Besser erklären“ will die CDU jetzt ihre Politik. Als ob sie es mit einem Heer geistig Minderbemittelter zu tun hätte, denen man die Segnungen der Merkel’schen Asylpolitik eben so lange predigen müsse, bis auch der Dümmste sie versteht.
Hilfreicher wäre ein Blick über die Grenze: In Österreich zeigt Sebastian Kurz, der Chef der Unions-Schwester ÖVP, wie man Rechtspopulisten wirkungsvoll in die Schranken weist. Zehn Tage vor der Wahl deklassiert Kurz die FPÖ, die noch vor Jahresfrist wie die sichere Siegerin der nächsten Nationalratswahl aussah. Mit einem Programm, das auf strikte Zuwanderungsbegrenzung setzt und im Übrigen ganz auf ihn selbst zugeschnitten ist.
„Die kindliche Kaiserin“ nennen die Österreicher Sebastian Kurz in Anspielung auf sein jugendliches Alter. Und wie die gleichnamige Figur in der „Unendlichen Geschichte“ weckt auch der 31-Jährige Beschützerinstinkte, an denen nun auch noch die traditionsreiche österreichische Sozialdemokratie zugrunde zu gehen droht. Gleich, ob der amtierende SPÖ-Kanzler Christian Kern von der – von seinen Wahlkampfmännern entfesselten – „Schmutzkübel-Kampagne“ gegen den Noch-Koalitionspartner Kurz wusste oder nicht: Österreichs Genossen stehen vor einem Absturz, der durchaus die Dimension des SPD-Debakels in Deutschland erreichen könnte. Mit dem wichtigen Unterschied, dass in Wien, anders als zuletzt in Berlin, davon nicht die Rechte profitiert.
Georg Anastasiadis
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