Es stimmt einfach nicht, dass Schweigen Gold ist, zumindest nicht immer. Madrid und Barcelona zum Beispiel schweigen sich gerade so explosiv an, dass es einem angst und bange werden kann. Dabei naht der Tag, an dem Katalonien seine Unabhängigkeit erklären will. Aber statt zu reden, spielen Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy und Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont ihr unfassbares Spiel der Egos einfach weiter.
Nicht ohne Grund. Der Katalane Puigdemont hat verstanden, dass er für seine verbissene, illegale Mission keinen Dialog, sondern starke Bilder braucht: Polizisten, die Wähler attackieren. Millionen Katalanen auf der Straße. Bald er selbst, abgeführt in Handschellen? Natürlich ist das pure Provokation. Aber Rajoys Sturheit liefert seinem Kontrahenten ein Argument nach dem anderen. Warum nicht über ein neues Autonomiestatut für Katalonien sprechen? Die Basis der Fundamental-Sezessionisten ist nicht so groß, wie es den Anschein macht. Ihnen wäre schnell der Wind aus den Segeln zu nehmen.
Dass die EU sich raushält und den Konflikt zur rein innerspanischen Angelegenheit erklärt (während EU-Kommissar Günther Oettinger den Bürgerkrieg an die Wand malt), ist besonders kurzsichtig. Denn Unabhängigkeits-Bewegungen in ganz Europa schauen genau auf Katalonien und lassen sich inspirieren. Die Union könnte sich zumindest um einen fähigen Vermittler bemühen. Puigdemont hat sich zur Verhandlung bereit erklärt. Aber Rajoy und die EU zaudern – und bereiten der Kleinstaaterei den Weg.
Marcus Mäckler
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