Wachsender Frust in den Asylunterkünften

Das Arbeitsverbot muss weg

von Redaktion

Seit Bayerns Staatsregierung mit dem Arbeitsverbot vielen Asylbewerbern die Chance genommen hat, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen, ist ein Jahr vergangen. Aber das Thema bestimmt nach wie vor den Alltag in den Asylunterkünften. Die Entscheidung hat nicht nur jenen Flüchtlingen geschadet, die es mit Fleiß, Zuverlässigkeit und einer Menge Glück geschafft hatten, Arbeit zu finden. Sie hat auch vielen Helfern Kraft und Motivation für ihre ehrenamtliche Arbeit genommen. Und bei den Arbeitgebern hat sie genau das Gegenteil davon bewirkt, was die CSU so selbstgerecht als Ziel verkündet hatte: Sie haben nicht mehr Sicherheit gewonnen, sondern standen plötzlich ohne die Arbeitskräfte da, die sie mühsam eingearbeitet hatten. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Arbeitgeber nun kein Risiko mehr eingehen wollen und lieber darauf verzichten, Asylbewerber einzustellen.

Das Arbeitsverbot hat die Integration kein Stück leichter gemacht, dafür aber viele neue Probleme geschaffen. Und für die gibt das Innenministerium keine Handlungsanweisung vor. Die Helferkreise werden mit den Folgen des unsinnigen Verbots völlig allein gelassen. Sie müssen versuchen, Frust und Verzweiflung abzufangen und zu verhindern, dass die Ungleichbehandlung den Frieden in den Unterkünften gefährdet. Es ist keine Überraschung, dass immer mehr Menschen ihr Engagement zurückfahren. Genau das ist die gefährlichste Nebenwirkung des Arbeitsverbots, die die Politik offensichtlich nicht einkalkuliert hatte. Wer erst einmal verloren ist, ist schwer zurückzugewinnen. Als Integrationshelfer – aber auch als Wähler.

Katrin Woitsch

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