Jetzt ist es raus. „Ican“, eine Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, erhält den Friedensnobelpreis. Ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbekanntes Bündnis aus Friedensgruppen sticht die prominenten Favoriten aus. Und das ist genau richtig so.
Zugegeben: Als Zuschauer war man im ersten Moment schon ein wenig ratlos, als kurz nach 11 Uhr die Entscheidung für „Ican“ verkündet wurde. Was wäre alles möglich gewesen: Angela Merkel, eine Sensation – die Flüchtlingskanzlerin und ihr Ritterschlag zur Unzeit. Oder Franziskus, der Papst der Armen, auch eine richtig tolle Geschichte. Doch diese Nobelpreise wären verschwendet gewesen, genau wie es der für Barack Obama 2009 war. Huldigungen für bedeutende Persönlichkeiten gibt es genug, der Friedensnobelpreis kann mehr. Er kann Schub verleihen, Themen und Projekte auf einen Schlag ins Rampenlicht schießen. Wenn er richtig funktioniert, ist er für eine gute Sache gleichzeitig Förderprogramm und abgenommenes Versprechen.
Zu hoffen, dass Atomwaffen eines Tages verschwinden, ist naiv. Sie sind nun einmal erfunden worden, sie werden bleiben. Ihre Zahl aber ist beeinflussbar, auch, wer sie kontrolliert. Zuletzt besaßen neun Länder 14 935 Nuklearwaffen. Der Friedensnobelpreis für „Ican“ ist deshalb ein richtiges Zeichen – und die bessere Wahl.
Sebastian Horsch
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