Hannover – Die niedersächsische AfD-Spitzenkandidatin Dana Guth bereitet sich in der vergangenen Woche gerade auf eine Polit-Talkrunde vor, da bahnt sich in ihrer Göttinger Kreistagsfraktion Ungutes an. Während Guth noch für ihren Auftritt vor der Kamera geschminkt wird, beschließen ihre Fraktionskollegen Frank Rathmann und Gabriele Kesten kurzerhand ihren Rauswurf. Die 47-jährige Immobilien- und Versicherungsmaklerin wird aus der dreiköpfigen Fraktion ausgeschlossen. Guth spricht von einer „Diffamierungskampagne“ kurz vor der Landtagswahl. Beim Verwaltungsgericht hat sie deswegen eine Klage eingereicht.
Bei der AfD gärt es nicht nur auf Bundesebene. Auch in Niedersachsen kommt der zerstrittene Landesverband vor der Landtagswahl am 15. Oktober nicht zur Ruhe. Der Rauswurf der Spitzenkandidatin Guth aus der eigenen Kreistagsfraktion ist da nur die jüngste bizarre Episode.
In Niedersachsen ist die AfD bislang nicht im Landtag vertreten. Umfragen sehen sie zwischen sechs und acht Prozent. Das liegt deutlich unter dem Ergebnis bei der Bundestagswahl, aber für den Einzug in den Landtag wird es wohl reichen. „Bei uns herrscht Geschlossenheit“, versichert Spitzenkandidatin Guth mit Blick auf das Debakel um den Abgang von Frauke Petry. Sie könne nach der derzeitigen Lage ausschließen, dass jemand nach der Landtagswahl die Fraktion verlassen werde. „Die Zeit der Grabenkämpfe ist vorbei“, glaubt auch Stefan Henze aus der Region Hannover, der auf der Landesliste auf Platz vier antritt.
Anders sieht das der Göttinger Wahlforscher Matthias Micus. Der niedersächsische AfD-Landesverband zähle zu den turbulentesten bundesweit, sagt der Politologe. „Es gibt eine Fülle von Konflikten, Skandalen und Skandälchen. Jeder kämpft gegen jeden.“ Es sei daher kaum wahrscheinlich, dass eine AfD-Fraktion die Legislaturperiode ohne Abspaltung überstehen werde.
Vor der Bundestagswahl lieferten sich Anhänger und Gegner des Landesvorsitzenden Paul Hampel einen langen Clinch um die Landesliste. Der 60 Jahre alte ehemalige Fernsehjournalist Hampel hatte sich den ersten Platz gesichert, seine Gegner wollten das verhindern. Sie fochten die Liste gerichtlich an, scheiterten jedoch. Zwischenzeitlich tauchte ein gefälschter Brief der Landeswahlleiterin auf, mit dem angeblich der Eingang der Landesliste bestätigt wurde – bis heute ist ungeklärt, wer dahinter steckt. Damit nicht genug: Gegen den aus Niedersachsen stammenden AfD-Bundesschatzmeister Bodo Suhren ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Der Polizeibeamte wird verdächtigt, Informationen zu Flüchtlingszahlen aus vertraulichen Dienst-Berichten an Parteifreunde weitergegeben zu haben.
Spricht man AfD-Kandidaten auf die Querelen an, dann tun sie dies meist als Kampagne der Medien ab. Für die niedrigen Umfragewerte gibt es aus ihrer Sicht andere Gründe. „Niedersachsen ist einfach nicht unser Bestmarken-Land“ sagte Spitzenkandidatin Guth. Doris Heimann